Mali, Niger, und eine lange Debatte

Gepostet am 03.05.2019 um 03:32 Uhr

Bundeskanzlerin Merkel hat deutsche Soldaten in Mali besucht. Zuvor stellte sie sich kritischen Fragen von Studenten – und hörte auch bei Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik genau hin. Von Angela Ulrich.

Bundeskanzlerin Merkel hat deutsche Soldaten in Mali besucht. Zuvor stellte sie sich kritischen Fragen von Studenten – und hörte auch bei Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik genau hin.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio, z.Zt. Niamey

Es sind mehr als 40 Grad im Camp Castor, im deutschen Bundeswehrstandort mitten in der Wüste von Mali – da muss Angela Merkel erstmal herzlich lachen. Ein Soldat sitzt ihr im Tarnanzug gegenüber, grauer Haarkranz, gebräuntes Gesicht – und da steht doch „KANZLER“ auf seine Uniform gestickt.

„Sie heißen Kanzler?“, fragt Merkel fast ungläubig. Dann prustet sie los. „Was für ein schöner Name!“

Feldwebel Kanzler sitzt in einem großen Zelt mit der Kanzlerin, zusammen mit ein paar Hundert weiteren deutschen Soldatinnen und Soldaten. Die sind jeweils für ein halbes Jahr in Mali im UN-Blauhelmeinsatz.

Kanzlerin Merkel besucht Bundeswehrsoldaten in Mali
tagesschau24 20:07:00 Uhr, 02.05.2019

Mission mit „Luft nach oben“

„Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Julia Schmidtke. „Es ist sehr warm und sehr staubig, und es gibt Unwägbarkeiten, aber alles in allem sind wir doch recht gut aufgehoben hier.“ Er habe keine Angst, pflichtet ihr ein Kamerad bei, und ein anderer gerät fast ins Schwärmen: „Im Ausland, da bin ich Teil von etwas Größerem, das ist mein Beitrag, wie bei allen anderen auch, dass alles läuft, wie es laufen muss.“

Bundeskanzlerin Merkel auf ihrer Afrikareise.

Geld gegen den Terror

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Doch wie läuft die Arbeit der deutschen Blauhelme? Kann man von Erfolgen sprechen bei dieser Mission, bei der es „Luft nach oben gibt“, wie auch die Kanzlerin sagt. Kommende Woche berät der Bundestag darüber, das Mandat zu verlängern. Merkel ist gekommen, um den Soldaten Mut zusprechen.

Merkel dankt Truppen

„Ich möchte Ihnen zu allererst danken, für ihren Einsatz, denn der ist schon speziell“, sagt die Kanzlerin. Die Mission sei schwierig, und derzeit die gefährlichste der Bundeswehr.

Mit einer Transportmaschine A400M ist die Kanzlerin nach Gao geflogen und dann nach weiter nach Niger. Aus Sicherheitsgründen, und weil die Landebahn in der malischen Würste nicht taugt für den Regierungs-Airbus. Zuvor hatten Studierende in der Universität von Ouadougou in Burkina Faso Merkel sehr direkte Fragen gestellt, zum Teil auf Deutsch. Zur Sicherheitslage, und warum die Deutschen keine Waffen liefern. Ihr braucht uns doch, genau wie wir euch, sagt Student Denis:

„Hand in Hand können wir alle Ziele erreichen. Im Rahmen der Zusammenarbeit können wir zum Beispiel Probleme in Burkina Faso lösen, die vielleicht Wirkung auf Deutschland haben können.“

Merkel hört genau zu

Im Klartext: junge Leute, die ihr Glück in Europa suchen, weil sie keine Zukunft in der Sahel-Region sehen. Merkel hört sich das sehr genau an, auch, als sie auf ihrem letzten Stopp in Niamey in Niger mit Präsident Issoufou zusammensitzt. Die Kanzlerin rechnet Niger hoch an, einiges gegen illegale Migration gen Mittelmeer getan zu haben. Wir sind kein Flüchtlings-Drehkreuz mehr, sagt der Staatschef, aber wir brauchen dafür auch mehr Gegenleistungen:

„Der Strom der Migranten, die durch Niger gezogen sind, ist versiegt, im Moment kommt nur noch rund ein Zehntel. Aber denen, die früher vom Schleusertum gelebt haben, müssen Alternativen angeboten werden.“

Kritik an Europa

Alternativen im Bau, in Schulen, im Handwerk oder Tourismus – die Menschen werden ungeduldig, sagt Issoufou. Und dass Deutschland da zwar hilft, aber Europa als Ganzes schwächelt. Merkel nickt dazu. Auch, als Nigers Staatschef mehr europäische Einigkeit im Kampf gegen Krisenherd Libyen fordert. Und: mehr private Firmen, die nach Niger kommen sollen. Da passiert noch nicht viel, räumt die Kanzlerin ein, aber: „Je besser wir vertrauensvoll zusammenarbeiten, umso besser können wir auch Unternehmen überzeugen, in Niger zu investieren.“

Eine Polizei-Ausbildungsmission besucht Merkel heute noch, dazu die Baustelle eines Frauenhauses in Niamey, zu der sie selbst das Geld gegeben hat.   

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Mai 2019 um 20:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 18.10.2019, 06:27:10