Das große Buhlen um Macron

Gepostet am 13.07.2017 um 00:22 Uhr

Die Kanzlerin versucht, mit Frankreichs Präsident Macron ein neues deutsch-französisches Duo à la “Mercron” zu installieren. Doch auch die SPD buhlt um ihn. Heute sind sowohl Merkel als auch SPD-Minister Gabriel in Paris. Von Angela Ulrich.

Die Kanzlerin versucht, mit Frankreichs Präsident Macron ein neues deutsch-französisches Duo à la “Mercron” zu installieren. Doch auch die SPD buhlt um ihn. Heute sind sowohl Merkel als auch SPD-Minister Gabriel in Paris.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Küsschen rechts, Küsschen links. Beim G20-Gipfel in Hamburg wirkte das neue deutsch-französische Duo Merkel-Macron schon vergleichsweise eingespielt. Auch den gemeinsamen Spitznamen für die beiden gibt es längst: “Mercron”. François Hollande hatte das nie geschafft nach “Merkozy” mit dem umtriebigen Nicolas Sarkozy klang “Merkollande” hölzern.

Jetzt wirft sich die Kanzlerin wieder ins Zeug für den jungen französischen Präsidenten, der manchmal so aussieht, als könnte er ihr Sohn sein. “Deutschland wird es auf Dauer nur gut gehen, wenn es Europa gut geht, und Europa wird es nur gut gehen, wenn es ein starkes Frankreich gibt”, erklärte Merkel schon zu Macrons Antrittsbesuch in Berlin. “Dem fühle ich mich, wie die ganze Bundesregierung, verpflichtet.”

Die Kanzlerin bemüht sogar Hesse

Die Kanzlerin wurde sogar poetisch und zitierte Hermann Hesse: “Allem Anfang wohnt ein Zauber inne.” Um dann allerdings Merkel-typisch fortzufahren: “Der Zauber hält nur, wenn Resultate kommen.”

Doch so einfach wollen die Sozialdemokraten den Senkrechtstarter Macron nicht der Kanzlerin überlassen. Als der frisch gewählte Präsident in Berlin landete, stand direkt am Flieger Außenminister Gabriel – SPD – bereit, und empfing Macron mit ersten militärischen Ehren. Das ist nicht üblich, dass ein Außenminister der Kanzlerin zuvorkommt. Aber ein kleines Zeichen, wie sehr die SPD um Bilder mit Emmanuel Macron ringt.

Schon länger gute Kontakte zur SPD

Als der noch Kandidat war, gewährte ihm Angela Merkel ohne Pressetermin eine kurze Audienz im Kanzleramt. Währenddessen lud Sigmar Gabriel Macron zu einer viel beachteten öffentlichen Debatte mit dem Philosophen Jürgen Habermas ein. Und auch danach wurde die SPD nicht müde, eine neue Haltung der Bundesregierung in Richtung Paris zu fordern: mehr Investitionen, mehr Wachstum, ein Aufweichen des Sparkurses.

“Immer nur sparen schafft keine neuen Arbeitsplätze, deswegen muss die deutsche Haltung eine andere werden”, machte Gabriel klar. “Das was wir bisher gegenüber Frankreich gemacht haben, hat die Franzosen eher tiefer herein in die Krise gebracht. Ich glaube, jetzt sind wir gefordert, ihnen zu helfen!”

Sigmar Gabriel hat Emmanuel Macron häufig getroffen, als beide noch Wirtschaftsminister in Berlin und Paris waren. Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagt von sich, ein guter Freund Macrons zu sein.

Der französische Präsident Emmanuel Macron (l-r), der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni und Bundeskanzlerin Angela Merkel

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Merkel dank ihres Amtes klar im Vorteil

Doch Angela Merkel hat den SPD-Alphatieren gegenüber einen klaren Vorteil: Sie trifft Macron automatisch immer wieder auf der internationalen Bühne – wie gestern beim deutsch-französisch-italienischen Dreiergipfel auf einem Segelschiff in Triest.

Davor in Hamburg beim G20-Gipfel. Dort wirkte es fast so, als hätten sich die beiden – Kanzlerin und Präsident – auf eine Art Arbeitsteilung geeinigt, was den schwierigen Gast Donald Trump anging: Merkel streng, Macron charmant.

Arbeitsteilung “good-guy/bad-guy”?

Beim Familienfoto zum Auftakt stand die Kanzlerin als Gastgeberin in der Mitte. Ganz außen gesellte sich Emmanuel Macron betont locker zum US-Präsidenten. Damit der nicht allein am Rande stehen musste? Auch in der Elbphilharmonie blieb Macron an Trumps Seite.

“Merkel und Macron wollen nicht wirklich ‘good-guy/bad-guy’ spielen“, sagt der Berlin-Korrespondent der französischen Wirtschaftszeitung “Les Echos”, Thibaut Madelin. Aber beide wirkten schon wie ein gut eingespieltes Duo.

Und heute folgt nach der Kanzlerin mit ihrem Kabinett gleich Donald Trump als hoher Gast in Paris. Macron hat ihn zur Militärparade auf den Champs-Elysées zum französischen Nationalfeiertag eingeladen. Dem US-Präsidenten scheint der junge Mann mit dem festen Handschlag zu imponieren. Die Kanzlerin, genau wie der SPD-Spitzenkandidat, müssen sich also auf weitere Rivalen um die Gunst von Emmanuel Macron einstellen.

 

Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron treffen sich heute ab 8.40 Uhr im Rahmen des deutsch-französischen Ministerrats. Die EU-Verteidigungspolitik soll dabei eines der Hauptthemen sein. Gegen 14 Uhr soll es dann eine Pressekonferenz geben. Neben der Kanzlerin reisen unter anderem AußenministerSigmar Gabriel, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Finanzminister Wolfgang Schäuble nach Paris. Wenig später beginnt dann US-Präsident Trump einen kurzen Frankreich-Besuch. Geplant ist, dass Macron ihn um 15.30 Uhr mit militärischen Ehren am Pariser Invalidendom empfängt. Später ist ein Abendessen zusammen mit den Ehefrauen Brigitte Macron und Melania Trump im Eiffelturm geplant. Am Freitag ist Trump Ehrengast bei der Militärparade auf den Pariser Champs-Elysées.

Zuletzt aktualisiert: 23.07.2017, 08:41:43