Multilaterale Freunde

Gepostet am 04.02.2019 um 04:02 Uhr

Vor der Ankunft der Bundeskanzlerin in Tokio loben Politiker die deutsch-japanischen Beziehungen. Gerade in einer unübersichtlichen Weltlage könnten die beiden Länder enger zusammenarbeiten.

Vor der Ankunft der Bundeskanzlerin in Tokio loben Politiker die deutsch-japanischen Beziehungen. Gerade in einer unübersichtlichen Weltlage könnten die beiden Länder enger zusammenarbeiten.

Von Julia Barth, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn deutsche Regierungsmitglieder über Japan reden, lassen sie selten die Gelegenheit aus, die besonders guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu betonen. „Japan und Deutschland sind wahre Freunde“, sagt etwa Außenminister Heiko Maas, als er das Land im vergangenen Sommer besucht. Und gerade dann, wenn die weltpolitische Lage, das Zusammenspiel mit den USA oder China, so schwierig ist wie gerade, so die Haltung, komme es eben auf Staaten wie Deutschland und Japan an, zusammen die gemeinsame Werteordnung zu verteidigen.

„Wenn wir unsere Stärken bündeln – das können wir noch mehr, als wir es in der Vergangenheit getan haben, wie ich finde – dann können wir gemeinsam vielleicht auch so etwas werden wie Motoren einer internationalen Ordnung, die die Welt bitter nötig hat“, so Maas. „Deutschland und Japan können zum Kern einer Allianz der Multilateralisten werden.“

Austausch von Zukunftstechnologien

Mit dieser Idee reist auch die Kanzlerin nach Tokio, wo sie sich zunächst mit Ministerpräsident Abe zu politischen Gesprächen trifft. Vor allem zum jetzigen Zeitpunkt ein starkes Signal, wie es in Regierungskreisen heißt. Nicht nur, weil so erste Grundsteine für das G20 Treffen im Juni in Osaka unter japanischer Präsidentschaft gelegt werden können, sondern auch weil Angela Merkel die erste europäische Regierungschefin ist, die seit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen Japan und der EU am vergangenen Freitag nach Tokio reist.

„Zusammen schaffen wir den größten Binnenmarkt der Welt. Wir erbringen zusammen fast ein Drittel der Wirtschaftskraft der gesamten Erde. Und insofern schlagen wir ein neues Kapitel in der Zusammenarbeit auf“, sagt der CSU-Politiker Thomas Silberhorn, stellvertretender Vorsitzender der deutsch-japanischen Parlamentariergruppe im Bundestag.

Interessant dürfte das vor allem für die zwölfköpfige Wirtschaftsdelegation werden, die Merkel nach Tokio begleitet. Durch das Wegfallen von Zöllen wird auch die Zusammenarbeit mit Blick auf Zukunftstechnologien deutlich einfacher. Diese Zusammenarbeit will die Bundesregierung zum Beispiel beim Thema künstliche Intelligenz, beim autonomen Fahren, bei der Digitalisierung insgesamt vertiefen- und kann dabei noch eine Menge von Japan lernen, ist Silberhorn überzeugt. „Die Japan forschen da viel weiter, in der Robotik beispielsweise. Insofern können wir uns da viel abschauen auch an Offenheit für neue Technologien“, sagt er.

Roth warnt vor Kohle-Einstieg

Geht es nach Claudia Roth, die für die Grünen den Kontakt zwischen deutschen und japanischen Parlamentariern hält, darf die Kanzlerin auf ihrer Reise vor allem ein Thema nicht aussparen. Den Klimaschutz. Gerade im G20-Rahmen sei es wichtig, dass „diese Industrienationen dafür werben, dass man die Klima-Krise nicht ignoriert wie Trump oder wie Bolsonaro aus Brasilien, sondern dass man sagt: Wir müssen Vorreiter sein als Industrienationen“, so die Grünen-Politikerin.

Das Klima hat sich Japan als einen Schwerpunkt seiner G20-Präsidentschaft gesetzt. Gerade deshalb, so Claudia Roth, müsse Merkel auch kritisch ansprechen, dass Japan plant, in die Kohle einzusteigen, während Länder wie Deutschland endlich den Kohleausstieg angingen.

„Wenn es überhaupt ein Land auf der Welt gibt, das neue Umwelttechnologien auf den Weg bringen kann, das bei den Erneuerbaren in der Energiewende voranschreiten kann, dann ist es Japan“, sagt sie. „Dann sollen die bitte nicht gegen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Kohletechnologie einsteigen.“

Politisch weniger bedeutend, dafür aber Zeichen der besonderen Wertschätzung dürften für die Kanzlerin zwei Begegnungen am Dienstag werden. Dann trifft sie den japanischen Kaiser Akihito, der Ende April abdankt, und den Kronprinzen Naruhito, der seinem Vater am 1. Mai auf den Thron folgt.

Multilaterale Freunde: Merkel reist nach Japan
Julia Barth, ARD Berlin
16:54:00 Uhr, 03.02.2019

Zuletzt aktualisiert: 16.06.2019, 19:32:43