Zwei, die sich brauchen

Gepostet am 18.08.2018 um 07:30 Uhr

Eine Weile herrschte zwischen Kanzlerin Merkel und Russlands Präsident Putin Funkstille. Zuletzt trafen sie sich häufiger. Das hat auch mit US-Präsident Trump zu tun. Angela Ulrich erklärt, was von dem heutigen Treffen zu erwarten ist.

Eine Weile herrschte zwischen Kanzlerin Merkel und Russlands Präsident Putin Funkstille. Zuletzt trafen sie sich häufiger. Das hat auch mit US-Präsident Trump zu tun.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Angela Merkel dämpft vor dem Treffen die Erwartungen. Sie nimmt sich zwar Zeit für Russlands Präsident Wladimir Putin. Sie fährt extra bis ins abgeschiedene Gästehaus der Bundesregierung, nach Meseberg in Brandenburg.

Aber, sagt die Kanzlerin: “Das ist ein Arbeitstreffen, davon sind jetzt keine speziellen Ergebnisse zu erwarten.” Die Probleme – von der Ukraine, bis zu Syrien, bis zu der Frage der Zusammenarbeit in wirtschaftlichem Bereich – seien so zahlreich, dass es doch gerechtfertigt sei, in einem permanenten Dialog zu stehen.

Berlin-Besuch vor vier Jahren

Der Gesprächsfaden ist zwar nie ganz abgerissen zwischen Merkel und Putin. Aber es ist vier Jahre her, dass der Kreml-Chef zu einem bilateralen Austausch mit der Kanzlerin in Berlin war.

Das ist eine ganz pragmatische Annäherung, sagt Stefan Meister, Russlandexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: “Die beiden mögen sich vielleicht nicht, und ich glaube auch nicht, dass das Vertrauen fundamental gewachsen ist, aber die beiden wissen, dass sie einander brauchen und dass sie miteinander reden müssen über diese Themen.”

Dank Trump

Und dafür gibt es noch einen Grund: US-Präsident Donald Trump. Angesichts eines irrlichternden Präsidenten in den USA finden Merkel und Putin wieder näher zusammen.

Neue US-Sanktionen gegen Russland könnten auch deutsche Firmen schmerzlich treffen. Aus der Wirtschaft gibt es Appelle, die Ukraine-Sanktionen gegen Moskau zu beenden. Hier wird Merkel aber wohl hart bleiben.

Bei einem anderen Thema, Syrien, suchen die beiden eine Annäherung. Weil sie einander brauchen, sagt Russlandexperte Meister: “Merkel hat eben das Interesse, dass Assad Flüchtlinge zurücknimmt.” Putin habe Einfluss auf Assad. “Putin hat das Interesse, mit Assad die Nachkriegsordnung aufzubauen und braucht dazu Geld.”

Wiederaufbau in Syrien

Geld, das Deutschland und die EU geben sollen. Bisher war aber die Ansage aus Europa: Wir machen nur bei einem Wiederaufbau in Syrien ohne Machthaber Baschar al Assad mit. Für einen Übergang will man nun aber wohl doch mit Assad zusammenarbeiten.

Realpolitik nennt das Meister. Merkel und Putin schauen bei vielen Themen an diesem Wochenende auch Richtung Washington, sagt Meister: “Die werden vor allem gegenüber den Amerikanern demonstrieren wollen, dass es Interessenüberschneidungen gibt, und dass man sich nicht erpressen lassen will bei bestimmten Themen.”

Kontroversen zu erwarten

Zum Beispiel bei der Energiepolitik. Die Pipeline Nordstream 2 ist im Bau, sie soll russisches Gas nach Deutschland bringen. Donald Trump ist sie ein Dorn im Auge, er wütete mehrfach gegen Merkel.

Brandenburgische Beschaulichkeit wird das nicht gerade werden, an diesem Wochenende, macht die Kanzlerin klar. Es werde “Kontroversen geben, aber auch Punkte, wo wir überlegen, wie wir bilaterale oder europäische Lösungen forcieren wollen.”

Merkel und Putin hilft, dass sie die Sprache des anderen sprechen. So gut, dass Putin gern Dolmetscher korrigiert, und Merkel sogar mal als Jugendliche die Russisch-Olympiade der DDR gewonnen hat.

Merkel empfängt Putin in Meseberg
A. Ulrich, ARD Berlin
07:33:00 Uhr, 18.08.2018

Über dieses Thema berichteten am 18. August 2018 MDR aktuell um 03:06 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2018, 05:58:02