Zu viele Fehler, zu wenig Kommunikation

Gepostet am 29.01.2019 um 10:35 Uhr

Auf dem Bundeswehrgelände in Meppen brannte das Moor im September nach einer Raketenübung wochenlang. Ein Abschlussbericht des Verteidigungsministeriums zeigt: Es gab viele Fehler. Von Christoph Prössl.

Auf dem Bundeswehrgelände in Meppen brannte das Moor im September nach einer Raketenübung wochenlang. Ein Abschlussbericht des Verteidigungsministeriums zeigt: Es gab viele Fehler.

Von Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio

Am Morgen des 3. September 2018 traf der Versuchsleiter der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen mit mehreren Personen zusammen, um das geplante Schießen für diesen Montag durchzugehen.

Moorfeuchtigkeit spielte kein Rolle

Die Hubschrauberbesatzung war anwesend sowie der Schießleiter und die sogenannte Flugkoordination. Und auch mit der Bundeswehrfeuerwehr wurde der Tag abgesprochen: keine gravierenden Bedenken. Waldbrandstufe zwei von höchstens fünf. Die Feuchtigkeit des Moores spielte bei der Lagebesprechung keine Rolle, ein Fehler, wie sich herausstellen soll. Dem ARD-Hauptstadtstudio liegt ein Bericht des Verteidigungsministeriums unter der Überschrift „Maßnahmen an der wehrtechnischen Dienststelle“ vor. Darin formulieren die Autoren, was verbessert werden soll:

Vor einem Schießversuch wird auch der Feuchtigkeitsgrad der Erprobungsfläche in die Bewertung mit einbezogen.“

Die Besatzung des Kampfhubschraubers „Tiger“ feuerte zehn Raketen ins Moor. Am Nachmittag fiel dann auf, dass das Moor an zwei schlecht zugänglichen Stellen brannte. Erste Löscharbeiten mussten am Abend wegen Dunkelheit und möglichen Munitionsresten im Gebiet eingestellt werden.

Rauchwolken steigen beim Moorbrand auf einem Bundeswehr-Gelände in Meppen auf.

Rakete löste Feuer aus

Seit Anfang September brennt im Emsland das Moor. Nun kommt heraus: Die Rakete, die das Feuer auslöste, wurde von einem Airbus-Helikopter abgefeuert – im Auftrag der Bundeswehr. 24.09.2018 | mehr

Kataster von Munitionsresten fehlt

Ein weiterer Fehler wird deutlich: Es gibt kein Kataster der Munitionsreste. Seit 1877 wird auf diesem Gebiet geschossen und geprüft, 2008 gab die Bundeswehr ein Gesamtkonzept zur Erfassung von Kampfmittelverdachtsfällen in Auftrag. Wieso es noch nicht vorliegt, dazu macht der Bericht keine Angaben. Für die Feuerwehrleute ist das ein großes Hindernis, denn alte Munition kann durch das Feuer unkontrolliert in Brand geraten.

Am nächsten Tag rückten die Kräfte wieder aus, mit schwerem Gerät. Die Kette einer Löschraupe sprang herunter, das Gefährt fiel aus. Im Abschlussbericht des Bundesverteidigungsministeriums  heißt es:

Durch die zeitliche Verzögerung und aufkommende Winde konnte sich das Feuer an den Brandstellen weiter ausbreiten“.

Feuer breitete sich trotz Maßnahmen aus

Ein Bundeswehr-Hubschrauber wurde zur Unterstützung angefordert. Was an den folgenden Tagen genau geschah, lässt der Bericht offen. Das Gelände sei unzugänglich gewesen, Wege hätten hergestellt werden müssen. Durch Wasserwerfer sollte die Ausbreitung des Brandes verhindert werden.

Weiter geht es im Berichtstext erst am 9. September, also fünf Tage, nachdem der Brand gemeldet worden war, mit der Feststellung, dass das Feuer sich trotz der Maßnahmen weiter ausbreitete. Am 21. September erklärte der Landrat Emsland den Katastrophenfall. Was also wirklich falsch lief, bleibt abstrakt.

Materielle, personelle und organisatorische Mängel

Trotzdem ist der Bericht des Verteidigungsministeriums in der zusammenfassenden Analyse deutlich:

Bei der umfassenden Aufarbeitung des Moorbrandes wurden, wie dargestellt, Mängel identifiziert, die unter anderem materielle, personelle organisatorische und Ausbildungsdefizite betreffen“.

Der Brand sei zu spät innerhalb der Bundeswehr nach oben gemeldet worden, die Kommunikation mit dem Land Niedersachsen hätte klarer und umfassender sein müssen, heißt es in dem 43-seitigen Papier. Bei der Zusammenarbeit mit anderen zivilen Helfern, also freiwilligen Feuerwehren und Technischem Hilfswerk, habe es „Handlungsunsicherheit“ gegeben. Die Bundeswehr will zusätzliche Löschraupen beschaffen, Vorschriften wurden geändert, die Dienststelle soll zusätzliche Posten bekommen.

Rauchwolken steigen beim Moorbrand auf einem Bundeswehr-Gelände in Meppen auf.

Von der Leyen bittet um Verzeihung

Seit zwei Wochen brennt das Moor auf dem Bundeswehrgelände in Meppen. Ein Raketentest hatte das Feuer ausgelöst. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bittet nun um Entschuldigung. 21.09.2018 | mehr

Gesamtkosten von rund acht Millionen Euro

Die Gesamtkosten für die Brandbekämpfung und Schadensbegleichung betragen rund acht Millionen Euro. Knapp 300 Anträge von Privatpersonen und aus der Landwirtschaft gingen ein, fast alle sind bearbeitet. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch. Der Verteidigungsausschuss debattiert den Bericht am Mittwoch.

Zuletzt aktualisiert: 23.05.2019, 08:50:03