Viele Senioren nehmen falsche Medikamente

Gepostet am 05.07.2018 um 14:58 Uhr

Laut einer aktuellen Studie nimmt jeder vierte Senior falsche Medikamente ein. Gefährlich kann es vor allem werden, wenn Patienten bei mehreren Ärzten in Behandlung sind. Von Martin Mair.

Laut einer aktuellen Studie nimmt jeder vierte Senior falsche Medikamente ein. Gefährlich kann es vor allem werden, wenn Patienten bei mehreren Ärzten in Behandlung sind.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Jeder vierte Senior nimmt ungeeignete Medikamente ein. Das geht aus dem Arzneimittelreport der Barmer Krankenkasse hervor. Ein Beispiel ist Methotrexat, einen Arzneistoff für die Krebs- und Rheumatherapie. Mehr als 1400 Barmer-Versicherte hätten das Mittel erhalten, obwohl es bei diesen Patienten wegen gleichzeitig stark eingeschränkter Nierenfunktion nicht eingesetzt werden durfte.

Kombination als Problem

Nach Angaben des Arzneimittelreports sorgen über alle Altersklassen hinweg falsche Kombinationen mehrerer Pillen oft für gefährliche Wechselwirkungen – und das schon bei scheinbar harmlosen Schmerzmitteln: Ibuprofen und bestimmte Blutdruck-Tabletten etwa sind zusammen gefährlich und können zu Nierenversagen führen. Trotzdem nehmen fast 230.000 Versicherte allein bei der Barmer-Krankenkasse diese Kombination ein. Es gebe eine Sicherheitslücke in der Therapie, so die Kasse in ihrem Report – vor allem dann, wenn Patienten bei mehreren Ärzten gleichzeitig in Behandlung sind. Das trifft auf zwei Drittel der Versicherten zu.

Es sei allerdings enorm schwierig für Ärzte, den Überblick über sämtliche Wechselwirkungen der fast 1900 Wirkstoffe zu behalten. “Bei dieser Zahl gibt 454.000 mögliche Kombinationen von zwei Wirkstoffen”, sagt Barmer-Chef Christoph Straub. “Da können Sie nachvollziehen, wie schwierig es ist, das für Ärzte und Patienten im Auge zu behalten.” Zudem fehlen der Studie zufolge häufig genaue Medikationspläne und Patienten greifen ohne Absprache mit Arzt oder Apotheker selbst zu freiverkäuflichen Pillen.

Krankenkassen testen Modelle zur Risikoerkennung

Immerhin jeder fünfte Deutsche nimmt regelmäßig fünf oder mehr Arzneimittel gleichzeitig ein. In einem Pilotprojekt testet die Barmer nun eine Plattform, damit vermeidbare Risiken besser erkannt werden – dazu werden alle Medikamente erfasst, die ein Kranker einnimmt. Alle behandelten Ärzte können auf diese Daten zugreifen.

Auch andere Krankenkassen testen derartige Modelle. Seit gut eineinhalb Jahren haben alle Patienten Anspruch auf einen verbindlichen Medikationsplan, wenn sie mindestens drei verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen – sie müssen aber selbst dafür sorgen, dass der auf dem aktuellen Stand bleibt. Im Zweifel ist er eine wichtige Grundlage für Ärzte und Apotheker, um gefährliche Kombinationen zu verhindern.

Gefährliche Pillen: Jeder vierte Senior nimmt ungeeignete Pillen
Martin Mair, ARD Berlin
13:21:00 Uhr, 05.07.2018

Zuletzt aktualisiert: 14.08.2018, 17:59:47