Maschmeyer lässt sich nicht aus der Reserve locken

Gepostet am 24.11.2016 um 18:57 Uhr

Als Zeuge hat Finanzinvestor Carsten Maschmeyer vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages ausgesagt. Er stellt sich als Opfer dubioser „Cum-Ex“-Geschäfte dar. Die Opposition hat Zweifel.

„Ich bin ein Geschädigter“, sagt Carsten Maschmeyer in einer Erklärung vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages. Von Steuertricksereien und krummen Aktiendeals habe er nichts gewusst. Es sind Sätze wie diese, die Maschmeyer gebetsmühlenartig wiederholt.

Auf der Tribüne tuscheln und lachen einige. Dass ein Multimillionär und Finanzexperte wie er von den dubiosen „Cum-Ex“-Aktiendeals nichts gewusst haben will, finden einige Beobachter seltsam. Auch die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss versuchen immer wieder genau an dieser Stelle nachzuhaken, ohne Erfolg.

Das Video erscheint in Kürze.

Maschmeyer bleibt bei seiner Version. Er habe in einen normalen Aktien-Dividende-Fonds investiert. Das habe ihm ein Familienerbe und langjähriger Freund der Schweizer Bank Safra Sarasin persönlich versichert. Dass es dabei um mögliche Steuertricksereien ging, habe er nicht gewusst und erst später selbst Verdacht geschöpft.

Wo sein Geld geblieben ist, wisse er nicht. Er habe die Bank verklagt. Vor seiner Strafanzeige habe er Drohbriefe und sogar Morddrohungen bekommen. Die Opposition glaubt ihm die Opferrolle nicht.

In der Tat: Es mutet seltsam an, dass einer wie er, der mit Millionen handelt, treu einem Freund vertraut und fast blind in ein Aktiengeschäft investiert, ohne sich entsprechende Papiere oder Gutachten einzuholen. Aber macht ihn das auch zu einem Verdächtigen? Vieles wirkt glaubwürdig: Seine Art zu sprechen, ruhig und überlegt, durchaus unterhaltsam.

Maschmeyer scherzt und korrigiert die Fragenden beharrlich, wenn sie von Zinsen statt von Renditen sprechen. Er wirkt weder unruhig noch nervös. Und manches daran wirkt fast schon zu perfekt. Es ist schwierig zu durchschauen. Der Zeuge Maschmeyer lässt sich nicht aus der Reserve locken.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 01:21:58