Martin Schulz in Verdun – “Mahnung für die Mächtigen”

Gepostet am 09.05.2017 um 17:28 Uhr

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz besucht in Verdun Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs und spricht dort mit Jugendlichen über die Geschichte und die Zukunft Europas. Sabine Rau ist mitgereist.

Zum ersten Mal sei er mit 26 nach Verdun gefahren. In einem geliehenen, klapprigen Auto, das kurz hinter der deutschen Grenze prompt liegengeblieben sei, erzählt Martin Schulz. Weil er zwei linke Hände habe, musste er jemanden anhalten und um Hilfe bitten. Ein Klempner bremste und meinte lakonisch: Deutsche, die hier liegen bleiben sind mir lieber als auf dem Durchmarsch. Das war 1981 und die deutsch-französische Freundschaft noch nicht so selbstverständlich.

Martin Schulz sagt, Verdun, das zum Synonym für den Irrsinn des gnadenlosen Stellungskriegs des Ersten Weltkriegs wurde, habe ihn als Ort nicht mehr losgelassen. Vierzig Mal sei er hier gewesen, habe die Gräberfelder aufgesucht, mit den Menschen gesprochen, sogar einige getroffen, die den Ersten Weltkrieg selbst miterlebt hatten.

“Wie gehen wir damit um?”

Als diese Reise – immerhin zwischen zwei für die SPD immens wichtigen Landtagswahlen – geplant wurde, war er noch Chef des Europaparlaments. Auf dem Weg zu den Schlachtfeldern rund um Verdun erzählt er: Verdun sei für ihn nicht nur Appell für den Frieden, sondern auch ein Ort der Mahnung für Mächtige und Politiker, was passieren könne, wenn man seiner Verantwortung nicht gerecht werde. Die Frage, sagt er, sei: “Wie gehen wir 100 Jahre später und angesichts der Krise der EU damit um?”

Vor dem Beinhaus von Douaumont, einem Dorf, das von Deutschen ausgelöscht wurde, trifft er junge Leute aus allen möglichen europäischen Ländern. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat sie eingeladen. Sie sind erst ein bisschen scheu gegenüber dem Mann, den sie alle aus dem Fernsehen kennen.

“Es kommt auf euch an”

Alle sprechen Französisch miteinander. Sie treibt vor allem die aktuelle Krise Europas um. Was kann man tun, um Europa, Freizügigkeit, Pressefreiheit und Frieden zu erhalten, wollen sie von Schulz wissen.

Alle sind noch angefasst nach dem Blick ins Kellergewölbe des Beinhauses: Berge, Kubikmeter von Knochen und Schädeln. Überreste namenloser deutscher Soldaten. Über 300.000, auf französischer Seite genauso viele. Schulz’ Antwort ist schlicht: “Kommt auf euch an”, sagt er. “Ihr müsst mit dafür sorgen, dass Europa überlebt.”

Zuletzt aktualisiert: 21.11.2017, 14:49:38