SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz beim Interview mit der "Brigitte"

Martin Schulz, die kleine männliche Ausnahme?

Gepostet am 13.06.2017 um 15:09 Uhr

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz lässt sich zum Brigitte-Talk bitten und zeigt sich von seiner persönlichen Seite. Ob er damit punkten kann, hinterfragt Ulla Fiebig.

Für die Brigitte-Macherinnen ist Martin Schulz eine kleine männliche Ausnahme, wie sie sagen. Eigentlich stehen Frauen hier im Mittelpunkt. Aber im Wahljahr darf auch ein Kanzlerkandidat auf ihre Bühne. Persönlich soll es werden, ohne die Politik außen vor zu lassen.

Man spricht also auch über Angela Merkel und was Martin Schulz von ihr lernen könnte: „Frau Merkel ist eine sehr in sich ruhende Person, das unterscheidet sie von mir. Ich bin nicht unbedingt so in mir selbst ruhend. Deshalb glaube ich von Angela Merkel lernen kann man ganz sicher, Ruhe bewahren. Und auch wenn die Umfragen mal nach unten gehen, nicht nervös werden”, fällt dem Herausforderer dazu ein.

Eine andere Facette zeigen

Er spricht über Genuss, über Rinderrouladen, die Liebe zur Bretagne, über süßen Kaffee mit Bitterschokolade. Und übers Älterwerden. Das sei für ihn schon ein Thema und eine Herausforderung. Martin Schulz ist 61 Jahre alt. „Man kann sich manchmal jung fühlen, aber man sollte nicht versuchen, einen Lebensstil oder eine Art Attitüde anzunehmen, die nicht dem eigenen Alter entspricht.“

Vor vier Jahren war die Kanzlerin an gleicher Stelle. Auch sie ließ sich Persönliches entlocken, wohl dosiert, aber genug, um Aufmerksamkeit zu erregen. Mal eine andere Facette zu zeigen, kann für Politiker Risiko, aber auch Chance sein. Sympathie und Kompetenz – darauf achten – Wahlexperten zufolge – alle Wähler, es gebe dennoch Unterschiede. Bei Frauen wiege der persönliche Eindruck von einem Politiker stärker als etwa Durchsetzungskraft.

Unterschied zwischen Frauen und Männern?

Michael Kunert von infratest dimap erklärt das Phänomen am Beispiel des CSU-Chefs: „Horst Seehofer ist bei Frauen nicht so beliebt, wie bei Männern. Ich glaube, das ist auch dieses Element, mehr das Konfrontative suchende, nicht eben diese Lösungsansätze verfolgend, da spiegelt sich schon am deutlichsten der Unterschied zwischen Männern und Frauen wider.“ Und Martin Schulz? Der schwärmt über seine Frau, die er jetzt 32 Jahre kennt: „Ich liebe meine Frau heute fast noch mehr als damals. Die Verbindung ist in all den Jahren intensiver geworden. Ich … wie soll ich das sagen … es ist halt so.“

Auch wenn es sicherlich ungewohnt war, Martin Schulz hat eine sehr private Seite von sich preisgegeben. Zum nächsten persönlichen Brigitte-Talk kommt nun in zwei Wochen – ganz ausgewogen – die Kanzlerin.


Zuletzt aktualisiert: 20.08.2017, 09:49:49