Ria Schröder, die neue Juli-Vorsitzende. Foto: Johannes Weber

„Man muss Lust haben, miteinander zu reden“

Gepostet am 30.04.2018 um 15:39 Uhr

Die zweite Frau an der Spitze der JuLis und thematisch breit aufgestellt: Ria Schröder will neue Entwicklungen frühzeitig verstehen und den Jugendverband der Liberalen auch im Osten stärken.

Ausgerechnet in die Berliner „Böse-Buben-Bar“ lädt die neue Vorsitzende der Jungen Liberalen ein. Dabei steht mit Ria Schröder erstmals nach Birgit Homburger wieder eine Frau an der Spitze der FDP-Nachwuchsorganisation. Es sei alles noch recht frisch, sagt Schröder, zwei Tage nach ihrer Wahl. Dass sie sich gleich im ersten Wahlgang gegen den Mitbewerber durchgesetzt habe, sei schon überraschend gewesen.

Schröders Schwerpunkte: Arbeit, Finanzen, Datenschutz

Ria Schröder ist 26 und kommt aus Hamburg. Das erste juristische Staatsexamen hat sie bereits, das zweite wird wegen des JuLi-Vorsitzes nun erst einmal auf sich warten lassen. Sechs Journalistinnen und Journalisten sind zum Kaffee-Termin gekommen, bei dem Ria Schröder ein bisschen was über sich erzählt, aber auch über das, was sie jetzt politisch vorhat.

Drei Schwerpunkte nennt sie: Zukunft der Arbeit, Finanzmärkte und Datenschutz. Bei allen Themen gehe es ihr darum, Veränderungen etwa durch Automatisierung oder Entwicklungen wie Kryptowährungen und Blockchain frühzeitig zu verstehen und zu gestalten. Bildung, Umweltpolitik oder Rente würden bei den JuLis aber natürlich auch intensiv diskutiert, genauso wie strukturelle Veränderungen in der Parteiarbeit auch durch digitale Beteiligungsmöglichkeiten. Und, das betont Ria Schröder ausdrücklich, die westdeutsch geprägten JuLis müssten sich endlich auch in Ostdeutschland stärker aufstellen. Wählen dürfen ab 16 auf Bundesebene – das ist für die JuLis ebenfalls ein wichtiges Thema, bei dem sie die FDP vorantreiben wollten.

Kritische Distanz, aber Lust zum Reden

Berührungsängste mit anderen Partei-Jugendorganisationen hat Ria Schröder nicht. Man pflegt eine kritische Distanz, erzählt sie, je nach Thema kann es aber auch Überschneidungen geben. Die JuLis seien jedenfalls die einzigen, die sowohl gesellschaftspolitisch als auch wirtschaftspolitisch liberal seien. Abneigungen gegenüber der Grünen Jugend zum Beispiel, wie sie nicht selten seien bei den JuLis, habe sie selbst nicht. Man muss Lust haben, miteinander zu reden, sagt Schröder und kommt dabei auch auf das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen zu sprechen. Da habe diese Lust bei manchen gefehlt. Ria Schröder nennt das „infantiles Verhalten.“

2013 – in dem Jahr, in dem die FDP aus dem Bundestag flog, ist sie den Liberalen beigetreten, weil sie dachte, das sei der richtige Moment, um ihre eigenen Ideen einzubringen. Dass vom frischen Geist, der dann die Kampagne zur Bundestagswahl 2017 umwehte, gerade nicht viel zu spüren ist, bedauert sie, sagt Ria Schröder. Beim Thema Cannabis etwa habe die FDP die Legalisierung beschlossen. Mit Modellprojekten dürfe man sich deshalb jetzt nicht zufriedengeben.

Thematisch breit aufgestellt, aber gegen eine Frauenquote

Ria Schröder wirkt in der kleinen Presserunde ziemlich entspannt. Auch wenn, wie sie sagt, gerade eine Menge los ist. Die „To Do“ – Listen würden immer länger. In zwei Wochen ist auch gleich Bundesparteitag der FDP. Zwei Anträge haben die JuLis eingebracht: Zum Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das sie ablehnen; und zum Freihandel, bei dem sie insbesondere auf die Rolle Afrikas hinweisen. Thematisch scheint die 26-jährige schon recht breit aufgestellt.

Mit einer Frauenquote, über die neuerdings in der FDP nachgedacht wird, sympathisiert die neue JuLi-Chefin allerdings nicht. Sie sei dafür, dass sich die Sprache ändere und eben klar werde, dass es nicht nur Wirtschaftsprüfer, sondern auch Wirtschaftsprüferinnen gebe. Sichtbarkeit sei wichtig, weibliche Vorbilder. Sie selbst könnte vielleicht auch zu einem werden.

Ria Schröder - die neue Vorsitzende der Jungen Liberalen. Foto: ARD/Fiebig

Zuletzt aktualisiert: 19.11.2019, 00:30:42