Macht Euch locker, Genossen!

Gepostet am 24.01.2018 um 14:19 Uhr

Die SPD braucht einen Generationswechsel. Und die Jusos machen weiter mobil und werben mit „Tritt ein, sag‘ nein!“. Ein Grund zur Freude findet Evi Seibert und wünscht den Genossen etwas weniger Miesepetrigkeit.

Meine Güte, nun macht Euch mal locker, Genossen. Freut Euch doch, wenn so viele Leute sich politisch engagieren wollen und das dann auch noch in Eurer Partei, in der SPD.
Aber nein, jetzt wird wieder ‚rumgemosert: „Das nimmt der Parteimitgliedschaft die Würde, wenn sie nur für einen bestimmten Zweck eingesetzt wird, nämlich mit ‚No Groko‘ zu stimmen“.
Spielverderber.

Genau diese Haltung hält die Leute normalerweise davon ab, in die SPD einzutreten, das ist spießiges und ängstliches Denken. Nehmt doch den Wettbewerb auf, seht das mal sportlich. Startet halt die Gegenkampagne. „Mach mit – die GroKo fit“. Okay, den Slogan kann man noch verbessern – aber ich bin ja auch nicht dafür da, der SPD schicke Werbe-Kampagnen zu entwerfen.
Die SPD-Oberen reden die ganze Zeit davon, dass sich die Partei erneuern soll. Da an der Spitze diesbezüglich grade nicht so viel passiert, nehmen das jetzt politisch interessierte Bürger selbst in die Hand, treten ein und machen mit.

Zeit für einen Generationswechsel

Das zeigt auch ganz deutlich, dass sich in der Partei ein Generationswechsel vollziehen muss. Die alte Garde, zu der der neue Parteichef Schulz eigentlich auch schon gehört, auf der einen Seite – und die energischen Jungen, zu denen nicht nur Juso-Chef Kevin Kühnert, sondern gefühlt eben auch Fraktionschefin Andrea Nahles gehört. Da kommt wieder ein bisschen Schwung in den Laden – darüber sollte sich die SPD freuen, statt gleich wieder sauer zu reagieren.

Die Franzosen sind übrigens noch viel weiter gegangen. Die lassen zum Beispiel öffentlich darüber abstimmen, wer Präsidentschaftskandidat der Partei werden soll. Und zwar nicht nur Parteimitglieder. Jeder, der zwei Euro bezahlt und unterschreibt, dass er sich zu republikanischen- bzw. sozialistischen Werten bekannte, darf mitmachen. Klar, dass da auch Leute vom anderen politischen Lager abgestimmt habe, um den besten bei den Gegnern zu verhindern. Muss man alles nicht so eng sehen. Und hat nebenbei auch noch Geld in die Parteikasse gespült.

Ein bisschen weniger miesepetrig

Außerdem: Wenn da jetzt ein paar tausend Neue in die SPD kommen – bei mehr als 400.000 Mitgliedern ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass die die Stimmung komplett rumreißen. Dazu kommt: Jeder Ortsverein prüft auch nochmal, ob die neuen auch lupenreine Demokraten sind.

Und das Argument, die treten ja nur kurz ein und bleiben nicht dabei muss erst mal den Praxistest überstehen. Vielleicht gefällt es denen ja in der SPD so gut, dass sie bleiben. Davon sollte ein Parteichef doch eigentlich ausgehen! Oder sie vergessen einfach, wieder auszutreten – das passiert einem sonst ja auch dauernd, wie bei der Amazon prime-Mitgliedschaft oder sonstigen Lockangeboten – man versäumt regelmäßig den Termin, die Schnuppermitgliedschaft zu beenden.

Also: Ein bisschen weniger miesepetrig – und jedes neue Mitglied freudestrahlend begrüßen. So wird das was mit der neuen Generation in der Politik.

Zuletzt aktualisiert: 19.09.2020, 05:05:35