Maas in der Türkei: deutsch-türkische Klimaverbesserung

Gepostet am 06.09.2018 um 10:39 Uhr

Bundesaußenminister Heiko Maas trifft in der Türkei seinen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu. Die Reise könnte für einen vorsichtigen Neuanfang der Beziehungen zwischen den beiden Ländern stehen. Von Martin Polansky.

Bilder von türkischen Flughäfen gab es in den letzten Monaten häufiger in deutschen Medien zu sehen. Meist standen diese Bilder für das Ende einer ungewissen Zeit in türkischen Gefängnissen.

Zuerst durfte der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner nach monatelanger Inhaftierung in einen Flieger Richtung Heimat steigen, dann der WELT-Journalist Deniz Yücel, und zuletzt die deutsche Journalistin Mesale Tolu. Für sie markierte der Einstieg ins Flugzeug das Ende ihres Ausreiseverbots aus der Türkei. Ende gut, aber längst nicht alles gut.

Eine gewisse Entspannung

Nun könnte der Einstieg in einen deutschen Flieger auf einem türkischen Flughafen für einen vorsichtigen Neuanfang stehen. Der Zustieg in den Airbus A340 „Konrad Adenauer“ der Luftwaffe. Außenminister Maas ist mit dem Regierungsflieger in der Türkei.

Zum ersten Mal überhaupt in seinem Amt, das er seit fast einem halben Jahre inne hat. Allein seine Reise steht für eine gewisse Entspannung im beidseitigen Verhältnis – nach monatelangen Verbalattacken aus Ankara und den Fällen der deutschen Menschenrechtler und Journalisten.

Die Türkei ist gerade in einer akuten Wirtschaftkrise – selbstverschuldet, aber auch weil US-Präsident Trump Strafmaßnahmen gegen die Türkei verhängt hat, die einen US-Pastor im Gefängnis festhält.

Währungsverfall und hohe Inflation treffen die Türkei nun hart, so hart, dass sie wieder stärker auf alte Partner zugeht. Etwa auf Deutschland. Außenminister Maas ist daher gestern zuerst nach Ankara geflogen, um den Besuch heute in Istanbul abzuschließen.

Der Airbus A340 „Konrad Adenauer“ ist ein ziemlich großes Flugzeug. Viel Beinfreiheit aber auch viele leere Plätze bei so einer Reise. Maas hat neben dem türkischen Präsidenten Erdogan in Ankara auch seinen Amtskollegen Cavusoglu getroffen. Mit dem Außenminister besucht er auch die deutsche Schule in Istanbul.

Gleiche Strecke, großer Flieger und viele freie Plätze. Bingo. Maas hat Cavusoglu eingeladen, doch einfach zuzusteigen in Ankara und gemeinsam nach Istanbul zu fliegen. So etwas passiert zwar höchst selten in Regierungsfliegern.

Aber beide Seiten finden, dass dies ein schönes Signal des Neuanfangs sein kann. Also hat sich Cavusoglu in den Airbus der Luftwaffe gesetzt. Und dabei auch noch Kerosin gespart. Deutsch-türkische Klimaverbesserung im Flugzeugsessel.

Zuletzt aktualisiert: 19.10.2018, 17:21:32