Die Linkspartei steht sich selbst im Weg

Gepostet am 10.06.2018 um 14:38 Uhr

Die Linkspartei hat die Chance vertan, sich zusammenzuraufen, meint Daniel Bauer. In der Flüchtlingspolitik bleibt ihre Haltung unklar. Gute Ideen und Argumente der Delegierten gehen dabei unter.

Die Linkspartei hat die Chance vertan, sich zusammenzuraufen. In der Flüchtlingspolitik bleibt ihre Haltung unklar. Gute Ideen und Argumente der Delegierten gehen dabei unter.

Ein Kommentar von Daniel Bauer, HR

Eigentlich war das am Wochenende in Leipzig nicht nur ein Bundesparteitag der Linkspartei. Es waren sogar zwei: Der offizielle Parteitag, bei dem in Reden die Einheit der Partei und ein Ende der Grabenkämpfe beschworen wurden.

Und der andere: der Parteitag an den Bratwurstständen und den Biertischen. Dort wurde entweder erklärt, warum sich Parteichefin Katja Kipping endlich gegen Sahra Wagenknecht durchgesetzt habe. Ober aber, warum Kipping nach ihrem schlechten Wahlergebnis quasi schon erledigt sei und Wagenknecht klar gewonnen habe.

Die Linkspartei pflegt ihre alten Rivalitäten und hat in Leipzig die Chance vertan, sich endlich zusammenzuraufen. Aber genau das wäre bitter nötig gewesen. Dem Erfolg der Rechtspopulisten steht die Partei nämlich bislang ziemlich ratlos gegenüber.

Was gilt, bleibt unklar

Der Leitantrag zur Flüchtlingspolitik hat das deutlich gezeigt. Darin stehen zwar die offenen Grenzen, aber für wen die offen stehen, wird nicht näher erklärt. Allen Bedürftigen natürlich, sagt Parteichefin Kipping. Aber nicht denen, die hier nur Arbeit und ein besseres Leben suchen, sagt Wagenknecht. Was jetzt gilt, bleibt unklar – und die Partei für den Wähler damit eine Wundertüte.

Wenn ich die Linkspartei wähle, bekomme ich dann Kipping oder Wagenknecht? Auch nach dem Parteitag ist das völlig offen. Was dabei untergeht, ist dass sich die Delegierten in Leipzig durchaus viele gute Gedanken gemacht haben. Zum Beispiel darüber, wie man die Digitalisierung nicht nur vorantreibt, sondern auch sozialverträglich gestaltet. Von den anderen Parteien hört man dazu relativ wenig.

Aber solange sich die Linkspartei selbst im Weg steht, kommt sie auch mit guten Ideen und Argumenten nicht durch. Vielleicht hätte ein reinigendes Gewitter dem Parteitag gut getan. So wie Samstagabend draußen vor der Leipziger Messehalle. Vorher drückend schwüle 31 Grad – danach schöne klare Luft zum Durchatmen. Drinnen war davon nichts zu spüren. Es blieb stickig – und die Linkspartei hält weiter die Luft an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juni 2018 um 13:15 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 13.12.2018, 23:24:21