FDP-Chef Christian Lindner hat sein neues Buch vorgestellt. Foto: imago/Mauersberger

Lindner und sein Phönix

Gepostet am 19.10.2017 um 17:06 Uhr

Christian Lindner ist das Gesicht der “neuen” FDP. Er inszeniert sich gern als Macher. Das tut er auch in seinem neuen Buch.

Leistung, Eigeninitiative, Konsequenz. Müsste sich FDP-Chef Christian Lindner in wenigen Worten selbst beschreiben, diese drei Attribute wären sicher dabei. Da passt es gut ins Bild, dass Lindner ausgerechnet jetzt, trotz der Vorverhandlungen für eine Jamaika-Koalition, sein neues Buch vorstellt.

Der Medienrummel ist ihm sicher. Um ihn als Macher geht es auch in seinem neuen Buch. Lindner ist natürlich groß auf dem Cover, schwarz-weiß, wie auch sonst. Man kennt diesen Look von seinen Wahlplakaten. Dazu der Buchtitel in knallpink.

“Schattenjahre” lautet er, und davon gab es zuletzt ja einige für die FDP. Der Untertitel: “Die Rückkehr des politischen Liberalismus”. Letzterer sei zu einem Gutteil Christian Lindner zu verdanken, lautet der Tenor seines eigenen Buches. Das ist nicht mal übertrieben.

One-Man-Show FDP

Zu Beginn des Buches schildert er einigermaßen pathetisch eine Szene vom Wahlabend 2013, kurz vor 18 Uhr, als die historische Wahlschlappe schon abzusehen war. Der damalige Parteivorsitzende Guido Westerwelle habe ihn gefragt, wie es denn jetzt weitergehe. Und dann gesagt: “Das musst du jetzt machen.” Lindner habe ihm geantwortet, dass seine Entscheidung bereits gefallen sei, schreibt er. Wenig später übernahm er den Parteivorsitz.

So entwickelte sich die einst stolze FDP nach ihrem Absturz aus dem Bundestag zur One-Man-Show um ihren Talkmaster Lindner. In “Schattenjahre” schildert er detailliert, wortgewandt und durchaus mit Witz, wie sich die FDP nach der Schicksalswahl 2013 langsam wieder berappelte. Lindners Verleger Tom Kraushaar sagt bei der Vorstellung gar, man werde dieses Werk noch in Jahrzehnten als Standardlektüre lesen. Da wird selbst der Showman Lindner kurz rot und wehrt ab.

Lebensretter in schwarz-weiß

Das Buch sei eine Mischung aus politisch Grundsätzlichem über den Liberalismus, Methodischem über den Wiederaufbau der Partei und einem Erfahrungsbericht der letzten vier Jahre, sagt Lindner nüchtern. Er beschreibt die FDP als Phönix, der am 24. September dieses Jahres bei der Bundestagswahl aus der eigenen Asche auferstanden ist. Mit ihm als Lebensretter in schwarz-weiß. Am Ende der Buchvorstellung fragt einer der Journalisten, wie es denn jetzt weitergehe mit der FDP und mit Lindners literarischem Schaffen. Ob er in ein paar Jahren ein neues Buch veröffentliche, “Lichtjahre” vielleicht?

“Nur kein Spott”, entgegnet Lindner. Die große politische Biografie sei das Buch nicht – noch nicht. Man merkt, der Mann hat noch viel vor. Am Ende muss er dann auch schnell los, die Grünen warten. Eine neue Regierung will gebildet werden. Lindner ist ganz vorn dabei.

Zuletzt aktualisiert: 21.11.2017, 18:12:21