Letzte Gauck-Reise: Deutschland muss sich der Verantwortung stellen

Gepostet am 17.11.2016 um 12:14 Uhr

“Freiheit” – mit diesem Schlagwort begann Joachim Gauck seine Amtszeit. Jetzt ist daraus geworden: “Verantwortung”. Die Freiheit hatten die Deutschen 1989 endgültig errungen, jetzt müssen sie die Freiheit verteidigen. In letzter Konsequenz – so Gauck – auch militärisch. Und das gilt weltweit. “Muss man zuschauen, wenn Boko Haram in Nigeria Menschen abschlachtet und Frauen versklavt ? Wie lange können wir zuschauen ?” So antwortet der Bundespräsident an der Tokioer Waseda-Universität auf die Frage eines Studenten, wie Deutschland reagiere auf einen möglichen Rückzug der Amerikaner aus der Weltpolitik unter einem Präsidenten Trump.

17-gauck-japan2Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Gauck, beim Besuch des kaiserlichen Gartens in Kyoto

Er hoffe, die USA gingen diesen Weg nicht. Aber möglich sei es eben. Doch die Deutschen sollten ihrer eigenen Regierung und ihrer stabilen Demokratie vertrauen. Man müsse sich selber verteidigen können, wenn nötig. Und in einer anderen Diskussionsrunde mit jungen Wissenschaftlern in Kyoto macht Gauck auch klar, woher die größte Gefahr für Europa komme: Aus Moskau. Russland sei ein Land, das seinen Bürgern keine Perspektive zu bieten habe, schon gar nicht wirtschaftlich, und sich deshalb in einen rückwärtsgewandten übersteigerten Nationalismus stürze. Es wird spannend sein zu sehen, ob sein wahrscheinlicher Amtsnachfolger Steinmeier das auch so deutlich formulieren wird  – wohl nicht.

Letzte große Auslandsreise? Gauck ist auf dieser Reise so engagiert wie eh und je.  Er lobt auch in Japan die deutsche Demokratie, die, nach dem Zivilisationsbruch der Nazis, heute stark und stabil sei. Nein, Extremisten von rechts und Populisten, so unangenehm sie seien, die könnten Deutschland nicht gefährden. 

17-gauck-japan3Vorm Betreten des Ginkaku-ji Tempels in Kyoto haben die Kollegen von der Bildpresse warme Socken bekommen – im Tempel sind keine Schuhe erlaubt

Typisch für Gauck auch der Abschluss der Reise am Freitag in Nagasaki: Auf seinen Wunsch besucht er dort das Denkmal der 26 christlichen Märtyrer, die dort im 16. Jahrhundert gekreuzigt wurden. Erst im 19. Jahrhundert wurde in Japan das Christentum wieder zugelassen. Danach geht es zum Atombombenmuseum von Nagasaki, das der nuklearen Abrüstung gewidmet ist und das allen von der Bombe Getöteten gedenkt, einschließlich der koreanischen und chinesischen. In Nagasaki steht die Versöhnung im Vordergrund, das ist Gauck wichtig. In Hiroshima, wohin Staatsgäste üblicherweise gehen,  geht es dagegen vorrangig um die Opferrolle Japans.

An das Ende seiner Amtszeit in wenigen Wochen, so Gauck, denke er auf dieser Reise nicht – noch keine Wehmut also. “Vielleicht kommt das, wenn wir am Freitag ins Flugzeug einsteigen für den Rückflug”, sagt er und fügt hinzu  “ziemlich sicher sogar”.

 

Zuletzt aktualisiert: 15.12.2017, 07:34:26