Ein schnell verdienter Euro reicht nicht

Gepostet am 17.05.2018 um 16:29 Uhr

Mit Geldprämien will der Pflegebeauftragte Westerfellhaus mehr Personal für die Pflege gewinnen. Das klingt verlockend, wird aber nicht reichen, meint Dirk Rodenkirch.

Mit Geldprämien will der Pflegebeauftragte Westerfellhaus mehr Personal für die Pflege gewinnen. Das klingt verlockend, wird aber nicht reichen.

Ein Kommentar von Dirk Rodenkirch, ARD-Hauptstadtstudio

Klingt verlockend und wunderbar einfach. Die  große Steuergeld-Gießkanne auspacken, um Pflegekräfte zurückgewinnen und junge Menschen für den Beruf überhaupt zu begeistern. In vielen Fällen reicht ja der Lockruf des Geldes.

So einfach ist das nicht. Denn aus einem unattraktiven Beruf wird auch durch eine Starthilfe kein reizvoller. Viele Pflegekräfte haben sich nicht grundlos aus dem Job verabschiedet, sondern weil die Arbeitsbedingungen schlecht sind, die Bezahlung niedrig und oft zu wenig Zeit für die Patienten bleibt.

Hinzu kommen zwei weitere Knackpunkte im Konzept: Wenn Pflege-Betreiber wirklich Personal suchen, warum sollen sie noch Geld bekommen, wenn sie tatsächlich jemanden einstellen. Denn die Pflege ist ein gut laufendes Geschäft.

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, will Pflegekräften künftig Prämien anbieten, damit sie in ihren Beruf zurückkehren oder ihre Arbeitszeit erhöhen. Berufsrückkehrer sollten einmalig 5000 Euro bekommen, sagte Westerfellhaus der “Rheinischen Post”. Pflegekräfte, die nach der Ausbildung direkt in eine Festanstellung gehen, sollten 3000 Euro erhalten. Für die Aufstockung der Arbeitszeit solle anteilig eine Prämie gezahlt werden. In einem Positionspapier rechnet der Pflegebeauftragte vor, dass dies den Bund im ersten Jahr 570 Millionen Euro und in den Folgejahren rund 345 Millionen Euro kosten würde. Darin sind auch Prämien für die Betreiber von Pflegeeinrichtungen und Kliniken vorgesehen, die zusätzliches Fachpersonal einstellen. Nach Westerfellhaus’ Vorstellungen sollen die Prämien nur zwei bis drei Jahre lang gezahlt werden.

Gefragt sind Qualifizierungen und Aufstiegsmöglichkeiten

Seltsam ist auch die geplante Möglichkeit, die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich zu reduzieren – von 100 auf 80 Prozent – damit sich Pflegekräfte erholen können. Denn so wird die Überbelastung der Menschen weiter eingepreist und sogar staatlich unterstützt.

Ein Signal möchte der Pflegebeauftragte senden, dass wirklich etwas geschieht, um die dramatische Personalsituation in Heimen und Kliniken zu verbessern. Ein schnell verdienter Euro wird da nicht reichen. Auch wenn der ein oder andere wegen der Prämie wieder zum Pfleger wird. 

Geändert werden muss aber das System. Und hier kommt der spannende Teil der Pläne: Der Pflegeberuf soll interessanter und vielfältiger werden. Von der Assistenz bis zum akademischen Master. Mit Qualifizierung und Aufstiegschancen wird die Pflege auf Dauer attraktiv – nicht durchs schnelle Geld.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2018, 16:48:41