Ein halber Neuanfang

Gepostet am 08.01.2018 um 20:43 Uhr

Realos hier, Parteilinke dort – noch schlagen die Flügel bei den Grünen. Statt eines radikalen Neuanfangs setzen die Grünen auf ein gemischtes Konzept mit frischen Kräften in der Parteizentrale und Erfahrung im Bundestag. Das muss nicht das schlechteste sein, meint Andrea Müller.

Realos hier, Parteilinke dort – noch schlagen die Flügel bei den Grünen. Statt eines radikalen Neuanfangs setzen die Grünen auf ein gemischtes Konzept mit frischen Kräften in der Parteizentrale und Erfahrung im Bundestag. Das muss nicht das schlechteste sein.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Neue Zeiten, neue Köpfe, frischer Wind in der Parteizentrale. Die Grünen organisieren den Übergang – und sie machen es gar nicht schlecht. Simone Peter erspart sich eine Wahlschlappe und zieht zurück. Drei Neue stehen bereit. Zwei Realos und eine Linke. Schluss mit dem Flügeldenken versprechen alle. Ob sie es halten können? Wer weiß.

Mit Anja Piel, der Fraktionschefin in Niedersachsen hat jedenfalls auch die Parteilinke nun ein frisches Angebot bekommen. Dass es ihre Kandidatur war, die Simone Peter zum Rückzug bewogen hat, weckt Zweifel. Gesucht war offenbar eine Alternative zum Realo-Duo Robert Habeck und Annalena Baerbock. Noch schlagen die Flügel und der Parteitag wird zeigen wie stark.

Personalangebot für alle Strömungen

Das Personalangebot ist so breit gefächert, wie die Grünen selbst: Robert Habeck, Umweltminister in Schleswig-Holstein – pragmatisch, realpolitisch und jamaikaerprobt. Annalena Baerbock – Klimaexpertin, jung, gut vernetzt und sondierungserfahren. Und Anja Piel, landespolitisch eine Größe, bundesweit kaum bekannt, aber mit Umverteilung und Gerechtigkeit im Fokus.

Die Sondierung mit Union und Liberalen schweißte die Grünen trotz aller Unterschiede zusammen. Doch die Strömungen sind nicht verschwunden. Das neue Spitzenduo wird die Debatten ordnen müssen und das Ringen um Positionen und Kompromisse.

Erfahrung in der Fraktionspitze, Neulinge in der Parteiführung

Die Herausforderung ist komplex: Parteiintern müssen die Grünen neu anfangen und in der Öffentlichkeit dürfen sie nicht streiten. Im Bundestag sollten sie konsequent auf Opposition schalten, in den Ländern pragmatisch mitregieren. Und Gehör müssen sie sich auch noch verschaffen, denn die Konkurrenz auf den Oppositionsbänken im Bundestag ist laut.

Schwerstarbeit vor allem für die Fraktion. Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt werden sie voraussichtlich weiter führen. Die Spitze schön sortiert nach Flügeln und Geschlecht.

Kein Neuanfang also im Bundestag, die Grünen setzen offenbar auf ein gemischtes Konzept für die Zukunft: Eine erfahrene Fraktionsspitze und frisches Personal in der Parteizentrale. Das muss nicht die schlechteste Kombination sein – für die harten Zeiten in der Opposition.

Zuletzt aktualisiert: 23.05.2018, 11:14:17