So geht klare Kante, Frau Merkel!

Gepostet am 09.06.2016 um 17:58 Uhr

Das Parlament steht zusammen – gemeinsam gegen Erdogans Vorwürfe und die Droh-Mails gegen die türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten. So geht klare Kante – daran sollte sich Kanzlerin Merkel ein Beispiel nehmen, meint Andreas Reuter.

Das Parlament steht zusammen – gemeinsam gegen Erdogans Vorwürfe und die Droh-Mails gegen die türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten. So geht klare Kante – daran sollte sich Kanzlerin Merkel ein Beispiel nehmen.

Von Andreas Reuter, ARD-Hauptstadtstudio

So macht man es richtig: Elf Abgeordnete werden übel beschimpft, mit Hass-Mails überschüttet und mit dem Tode bedroht. Das Parlament steht zusammen und lässt die Sache vom Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zurückweisen. Der spricht deutliche Worte, und zuckt auch vor Kritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan persönlich nicht zurück.

Ganz anders Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die taucht erstmal ab, dann druckst sie herum, dann spricht sie von Vorwürfen und Aussagen von der türkischen Seite, und nennt die “nicht nachvollziehbar”.

Wie bitte? Da vereinnahmt der türkische Präsident elf Abgeordnete des Bundestages für sich, nur weil sie zufällig türkische Eltern haben, und tut so, als müssten sie darum nach seiner Pfeife tanzen. Und wenn sie das nicht tun, beschimpft er sie, bescheinigt ihnen, sie hätten verdorbenes Blut.

“Nicht nachvollziehbar” nennt das die Kanzlerin. Mir fallen da ein paar andere Ausdrücke ein: total daneben, anmaßend, selbstherrlich, verletzend, undemokratisch, oder meinetwegen: Das weise ich in aller Form zurück, wie Lammert sagte.

Angst, den Flüchtlingsdeal zu gefährden

Wenigstens diesen Satz hätte ich auch von der Bundeskanzlerin erwartet. Dass sie ihn nicht herausbringt, nährt den Verdacht, dass sie Rücksicht nimmt auf Erdogan, um ihren anrüchigen Flüchtlings-Deal mit ihm nicht zu gefährden.

Dass sie die Böhmermann-Satire gegen Erdogan als bewusst verletzend bezeichnet hat, nannte Merkel später einen Fehler. Das war ehrenhaft. Aber aus diesem Fehler sollte sie auch lernen – und Erdogan endlich in die Schranken weisen.

Kommentar: Merkel nimmt Rücksicht auf Erdogan
A. Reuter, ARD Berlin
17:08:00 Uhr, 09.06.2016

Zuletzt aktualisiert: 22.11.2017, 19:09:20