Ein Hauch von Schmerzensgeld für Eltern

Gepostet am 28.05.2020 um 17:11 Uhr

Viele Eltern dürften aufatmen, denn jetzt wird also doch länger Geld für all jene fließen, die ihre Kinder in der Corona-Krise zu Hause betreuen und deshalb nicht arbeiten können. Ein richtiger und notwendiger Schritt, meint Sabine Müller.

Viele Eltern dürften aufatmen, denn jetzt wird also doch länger Geld für all jene fließen, die ihre Kinder in der Corona-Krise zu Hause betreuen und deshalb nicht arbeiten können. Ein richtiger und notwendiger Schritt.

Ein Kommentar von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Ein Hauch von Schmerzensgeld umweht die verlängerte Lohnfortzahlung für Corona-Eltern. Denn vor knapp zwei Wochen, als es kurzzeitig mal hieß, eben diese Verlängerung sei wohl nicht nötig, weil Schulen und Kitas ja jetzt wieder verstärkt öffneten, da waren vielen Müttern und Vätern wohl die Kinnladen schmerzhaft auf Homeoffice-Schreibtisch oder Frühstückstisch geknallt, je nachdem, wo sie gerade saßen.

Nicht nötig, das war Hohn in den Ohren vieler Eltern, deren Kinder bis zu den Sommerferien jeweils einen Tag in der Woche für vier Stunden in die Schule gehen dürfen.

Ja, diese heute vom Bundestag beschlossene Verlängerung war notwendig. Und während man trefflich weiter darüber streiten kann, ob 67 Prozent des Nettolohns gerade für Geringverdiener ausreichen, geht die angesetzte Dauer völlig in Ordnung. Insgesamt 20 Wochen Lohnentschädigung verteilt auf zwei Elternteile oder für ein alleinerziehendes – das ist eine ordentliche Perspektive.

Dann wir die Politik eben nochmal nachlegen müssen

Und falls im Herbst Schulen und Kitas immer noch weit entfernt vom Regelbetrieb sein sollten – Stichwort: zweite Corona-Welle -, dann wird die Politik eben nochmal nachlegen müssen. Aber es geht hier nicht einfach darum, mehr finanzielle Hilfe einzufordern – und schon gar nicht solche mit der Gießkanne, wie der geplante Corona-Kinderbonus von angeblich 300 Euro pro Kind.

Geld ist die eine Sache, echtes Verständnis für die Lage der Eltern eine andere. Und das ist nicht nur eine Sache der Politik, sondern der ganzen Gesellschaft. Die sozialen Medien laufen seit Wochen über mit niederträchtigen Kommentaren von wegen: Eltern sollten nicht so herumjammern, sie hätten ja schließlich Kinder gewollt.

Doch was, wenn dieses Argument weitergedreht würde, zum Beispiel Richtung Gastrobranche, für die der Bundestag ja heute auch verstärkte Hilfen beschlossen hat: Lieber Restaurantbesitzer, hör auf zu jammern. Du hast dir diesen Job doch ausgesucht, hättest dich auch für einen anderen entscheiden können, der krisensicherer ist.

Beschulen und bespaßen – nicht nebenher zu schaffen

Nein, es geht nicht darum, dass Eltern es absolut furchtbar finden und damit überfordert sind, ihre Kinder den ganzen Tag um sich zu haben, zu beschulen und zu bespaßen. Es geht darum, dass diese Aufgaben nicht einfach mal so nebenher zu schaffen sind, während der normale Job im Homeoffice weiterläuft. Es braucht mehr Verständnis für Eltern und die klare Zusage der Politik, dass eine verbesserte Betreuungssituation in Schulen und Kitas Priorität hat – bevor erschöpfte Eltern am Stock gehen und bevor der Rückfall in alte männlich-weibliche Rollenmuster sich komplett verfestigt hat.

Es macht Hoffnung, dass viele Bundesländer ihre Anstrengungen verstärken, Kitas und Schulen wieder in Richtung Regelbetrieb zu bekommen. Wenn keine einzige Familie die Lohnfortzahlung für die kompletten 20 Wochen braucht – prima. Aber falls es anders kommt, ist sie da.  

Mehr Finanzhilfen für Eltern
Sabine Müller, ARD Berlin
16:42:00 Uhr, 28.05.2020

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Mai 2020 um 17:08 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 18.09.2020, 21:23:54