Zerrieben – auch wegen Merkel

Gepostet am 10.02.2020 um 18:39 Uhr

Dass AKK scheiterte, liegt nicht nur an strategischen Fehlern ihrerseits. Aus dem Kanzleramt fehlte echte Unterstützung. Mögliche Nachfolger müssten daher auf einem Rückzug Merkels bestehen, meint Kirsten Girschick.

Dass AKK scheiterte, liegt nicht nur an strategischen Fehlern ihrerseits. Aus dem Kanzleramt fehlte echte Unterstützung. Mögliche Nachfolger müssen daher auf einem Rückzug Merkels bestehen.

Ein Kommentar von Kirsten Girschick, ARD-Hauptstadtstudio

Ich kann, ich will, und ich werde – so ist Annegret Kramp-Karrenbauer einst angetreten. Seit heute ist klar: Sie will nicht mehr, sie wird nicht mehr. Sie hat es auch nicht gekonnt, sagen jetzt viele. Das liegt aber nicht nur an ihr.

Kramp-Karrenbauer hat die Reißleine gezogen, nachdem klar war: Die Unterstützung aus der Partei kommt einfach nicht. Ja, die Saarländerin hat Fehler gemacht, strategische und taktische – aber von Anfang an haben auch die Umstände es ihr schwer gemacht:

  • Die Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz war ein fataler Fehler. Aus dem Kanzleramt gab es für AKK weder wirkliche Unterstützung noch echte Beinfreiheit. Spätestens als sich Angela Merkel in den Thüringen-Skandal einmischte, war klar: Die Vorsitzende hat es nicht im Griff.
  • In der CDU gibt es zwei widerstreitende Wünsche an die Vorsitzende: Einerseits fordern Funktionäre und Basis mehr Beteiligung. Andererseits sehnen sie sich nach starker Führung. Auch deshalb hat sich Kramp-Karrenbauer innerparteilich zerrieben.
  • Die Gesellschaft und das Parteiensystem sind immer mehr polarisiert. Vor allem in Ostdeutschland ist das Regieren ohne Beteiligung von Linkspartei oder AfD kaum möglich. Damit einen Umgang zu finden, der die Partei nicht zerreißt, ist Kramp-Karrenbauer – aber eben auch der ganzen CDU-Führung – nicht gelungen.
  • Merkel hat die CDU geöffnet für ganz neue Wählerschichten. Das lässt sich nicht rückgängig machen. Der Richtungsstreit innerhalb der Union – mehr konservatives Profil oder weiter klarer Mitte-Kurs – wurde und wird von zu vielen Akteuren innerhalb der CDU zu öffentlich geführt.

Mit ihrem angekündigten Rückzug hat Kramp-Karrenbauer aus all dem die Konsequenzen gezogen. Dass jetzt zuerst über die Kanzlerkandidatur entschieden werden soll und dann daraus abgeleitet über den Parteivorsitz, ist fast folgerichtig. Aber jeder Kanzlerkandidat der CDU – ob er nun Laschet, Spahn oder Merz heißt – wird vor der gleichen Lage stehen: Er müsste auf einem Rückzug von Merkel bestehen.

Zuletzt aktualisiert: 31.03.2020, 03:15:44