„KoKo“ wie Kokolores

Gepostet am 12.12.2017 um 13:27 Uhr

Der SPD-Parteilinke Miersch versucht seit Wochen, die Idee einer Kooperationskoalition – kurz „KoKo“ – zu befeuern. Doch das ist ein Rohrkrepierer, meint Sabine Müller. Merkel würde nicht eine Sekunde darüber nachdenken. Alle anderen sollten es genauso machen.

Der SPD-Parteilinke Miersch versucht seit Wochen, die Idee einer Kooperationskoalition -kurz „KoKo“ – zu befeuern. Doch das ist ein Rohrkrepierer, meint Sabine Müller. Merkel würde nicht eine Sekunde darüber nachdenken. Alle anderen sollten es genauso machen.

Ein Kommentar von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Was ist noch schlimmer, als jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu treiben? Noch schlimmer ist es, wenn die Sau erstens nicht mal neu ist und zweitens schon mausetot. „KoKo“ oder Kooperationskoalition – das ist das Zauberwort des Tages, weil SPD-Chef Martin Schulz das gestern in der Fraktion als eine mögliche Option vorgestellt hat.

GroKo mit Fremdgeh-Klausel

Der eigentliche Vater dieses putzigen Gedankenspiels ist aber der Anführer der SPD-Linken, Matthias Miersch, der damit schon seit zwei Wochen hausieren geht. Nach seiner Idee würde die SPD mit der Union bei ein paar Kernthemen feste Zusammenarbeit vereinbaren, darüber hinaus gäbe es aber bei jedem Thema freie Debatte und wechselnde Mehrheiten.

Auf gut deutsch ist die „KoKo“ nichts anderes als eine Große Koalition, die sich eine Fremdgeh-Klausel in den Ehevertrag geschrieben hat. Und wenn man das Kind so beim Namen nennt, ahnt man auch schon, warum der Vorschlag nicht wirklich gezündet hat.

Erstens sind die wunderbaren wechselnden Mehrheiten noch nicht in Sicht, mit denen sich die SPD jenseits der Union profilieren will. Glaubt sie wirklich, dass sich die FDP regelmäßig jubelnd in die Arme von Rot-Rot-Grün werfen wird? Oder meinen die Genossen damit, dass die ungeliebten Hardliner-Themen bitte jemand anders entscheiden soll? Das könnte dann ja nur eine bürgerliche Mehrheit rechts der Mitte sein, wenn die AfD gemeinsam mit Union und FDP stimmt.

SPD braucht einen Platzhalter

Wer glaubt, dass Angela Merkel über einen solchen Deal auch nur eine Sekunde nachdenkt, versteht nichts von Politik. Die „KoKo“ ist ein Rohrkrepierer. Warum jetzt trotzdem alle drüber reden? Ganz einfach: Weil die SPD neben den Optionen Große Koalition und Neuwahl noch ein paar Platzhalter braucht, damit das Versprechen von den „ergebnisoffenen Gesprächen über alle Optionen“ nicht so hohl klingt. Aus Partei-Sicht ist das verständlich, aber wir anderen sollten bitte nicht so tun, als würden wir hier über ernsthafte politische Alternativen reden.

Kommentar: Die KoKo-Debatte – einfach lächerlich!
Sabine Müller, ARD Berlin
12:14:36 Uhr, 12.12.2017

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2020, 10:54:13