Opel und Smart mit zu hohem Ausstoß

Gepostet am 27.06.2017 um 16:04 Uhr

Was kommt im Zuge des VW-Abgasskandals noch alles hoch? Jetzt liegen lange erwartete Testdaten zum Klimagas CO2 vor. Die deuten zumindest vorläufig auf keine neuen Massenabweichungen hin – nur zwei von 19 getesteten Modellen fielen durch. Von Arne Meyer-Fünffinger.

Was kommt im Zuge des VW-Abgasskandals noch alles hoch? Jetzt liegen lange erwartete Testdaten zum Klimagas CO2 vor. Die deuten zumindest vorläufig auf keine neuen Massenabweichungen hin – nur zwei von 19 getesteten Modellen fielen durch.

Von Arne Meyer-Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Die CO2-Emissionsuntersuchung, die Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorgelegt hat, hat ihren Ursprung im April vergangenen Jahres. Damals hatte die von Dobrindt im Zuge des Dieselskandals eingesetzte VW-Untersuchungskommission ihren Bericht vorgelegt. Das Gremium hatte unter anderem die Stickoxidemissionen von 53 Fahrzeugen mehrerer Hersteller untersucht. Dabei prüfte sie quasi nebenbei, wie es mit dem CO2-Ausstoß dieser Modelle aussieht. Bei 29 habe es, so Dobrindt, Auffälligkeiten gegeben. Deswegen habe das Kraftfahrtbundesamt diese nochmal auf den Prüfstand gestellt. Der CSU-Politiker legte nun ein erstes Teilergebnis für 19 dieser untersuchten Fahrzeuge vor.

Keine Konsequenzen für Opel und Smart

Demnach halten 17 von 19 Fahrzeugen die sogenannten Katalogwerte, die bei der Typgenehmigung angegeben werden, ein. Einige Modelle würden die Werte sogar unterschreiten. Bei zwei Fahrzeugen gebe es weiteren Untersuchungsbedarf: beim Opel Zafira 1,6 Liter Diesel und beim Smart Fortwo 0,8 Liter Diesel. Sowohl der Opel als auch der Smart werden inzwischen nicht mehr hergestellt. Auf Deutschlands Straßen fahren etwa 17.000 dieser Modelle. Die Abweichungen hinsichtlich der CO2-Emissionen von den Herstellerangaben sind nicht so gravierend, dass Opel und Smart mit negativen Konsequenzen rechnen müssen.

Neues Institut soll weiter prüfen

Um bei dem Thema Spritverbrauch und den damit verbundenen CO2-Emissionen für mehr Transparenz zu sorgen, haben Bundesverkehrsministerium und Autoindustrie die Gründung eines Instituts für Verbrauchs- und Emissionsmessungen verabredet. „Das ist ein wichtiger Schritt, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie viel Verbräuche Fahrzeuge auch haben können, wenn man sie eben auch unter anderen Bedingungen als auf dem Rollenprüfstand fährt”, erklärte Dobrindt.

Er erwarte außerdem Informationen, wie unterschiedliche Fahrer in unterschiedlichen Fahrsituationen bei diesen Autos unterschiedliche Verbrauchsergebnisse erzielten. Die Resultate werden auf einer Online-Plattform veröffentlicht. 70 neue Fahrzeuge jährlich, so der Plan, soll das Institut testen. Die für seine Gründung notwendigen Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro übernimmt die Autoindustrie.

Kritik von Grünen: “Dobrindts Pseudopolitik”

Die Grünen und die Deutsche Umwelthilfe halten speziell von dieser Maßnahme gar nichts. “Wir brauchen eine Stärkung der staatlichen Kontrolle, wir brauchen eine unabhängige Kontrolle”, sagte der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Das könne nicht das Kraftfahrtbundesamt sein, sondern beispielweise wie in den USA die Umweltbehörde. Dass Dobrindt die Untersuchungen an die Automobilindustrie outsourcen wolle, sei “ein schlechter Witz”. “Das ist typische Pseudopolitik à la Dobrindt. Hier geht es nur darum, die Interessen der Automobilindustrie zu wahren.”

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, spricht gar von einem Versagen des Rechtsstaates, denn es sei Aufgabe der Behörden, unabhängig von den Hersteller dafür zu sorgen, dass deren Verbrauchsangaben richtig seien. “Wenn ich mir das übertragen vorstelle auf die Lebensmittelsicherheit, wäre das in etwa so, als wenn der Fleischhandel ein Institut gründet, dass gleichzeitig die Lebensmittelsicherheit feststellt”, meinte Resch. “Ich weiß nicht, ob sich das auf die Gesundheit der Bürger gut auswirken würde.”

Am Ende hält Resch Dobrindts Agenda für konsequent. Denn die Bundesregierung setze den Kurs der Verbrüderung mit der Autoindustrie fort.

Mehr Tansparenz vs. “schlechter Witz” – Dobrindt und neue CO2-Autotests
A. Meyer-Fünffinger, ARD Berlin
15:05:00 Uhr, 27.06.2017

Zuletzt aktualisiert: 12.12.2017, 19:14:44