Klöckners erste Bewährungsprobe

Gepostet am 22.08.2018 um 13:05 Uhr

Durch die Hitze hat Landwirtschaftsministerin Klöckner die erste Krise bewältigen müssen. Dürrehilfen sagte sie zu – aber nicht in der geforderten Höhe. Das sagt viel über ihren politischen Stil. Von Bettina Nutz.

Durch die Hitze hat Landwirtschaftsministerin Klöckner die erste Krise bewältigen müssen. Dürrehilfen sagte sie zu – aber nicht in der geforderten Höhe. Das sagt viel über ihren politischen Stil.

Von Bettina Nutz, ARD-Hauptstadtstudio

Dass sie die deutschen Bauern nicht hängen lassen will, schon gar nicht in der Dürre, das hat Julia Klöckner in diesem Sommer mehr als einmal deutlich gemacht – wenn ihr auch mal die Sprachbilder durcheinander gerieten. “Wir werden die Betriebe nicht im Regen stehen lassen”, versicherte sie im Sommer. Eine ungewollte Zweideutigkeit, die aber doch zur Strategie der Agrarministerin passt.

Der Hitzesommer geriet für Klöckner unverhofft zur Bewährungsprobe. Eine, die sie bestehen will. Mit Landwirten, die auf Regen warten, aber ohne Geldregen verzweifeln, wie ihre Lobbyvertreter behaupten. Und mit Steuerzahlern und Verbrauchern, die nicht einsehen, warum nun ausgerechnet in das gut geölte Subventionssystem Landwirtschaft zusätzliche Mittel fließen sollen.

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Reisen zu besorgten Bauern

Agrarpolitik, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sollen keine Gegensätze mehr sein – das ist ohnehin ihre Linie. Manchmal mit viel Pathos. Für sie sei das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auch das Lebensministerium, sagte sie einmal.

Während der Dürrekrise reiste sie zu den verdorrten Äckern und den besorgten Bauern. In der Nähe von Dresden sah sie, dass der Mais keine Kolben ausbilden konnte. “Ich habe noch nie Mais gesehen, der so vertrocknet auf den Feldern steht”, stellte sie fest.

Klöckner will zeigen, dass man ihr nichts vormachen kann

Zurückhaltung bewies sie dagegen gegenüber der Agrarlobby, allen voran dem einflussreichen Bauernverband. Der stellte unverdrossen den nationalen Notstand fest und forderte vom Bund eine Milliarde Euro Finanzhilfen. Klöckner blieb über alle Hitzewochen hinweg standhaft. “Ich kann verstehen, dass der eine oder andere schlichtweg die Zahl haben möchte”, sagte sie über die Milliardenforderung. “Aber dazu gehört doch, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen.”

Es ist die immer gleiche Botschaft einer Winzerstochter, die nun Landwirtschaftsministerin ist. Klöckner will zeigen, dass sie weiß, wovon sie redet – und dass man ihr nichts vormachen kann, nicht einmal in der Getreide- oder Viehwirtschaft. Tieren helfe kein Geld, sondern Futter, sagte sie.

Die geforderte Milliarde zahlt sie nicht

Nun hilft sie doch – nachdem die konkrete Dürrebilanz vorliegt. Das heißt aber nicht, dass Klöckner eingeknickt wäre. Die von den Bauern geforderte Milliarde zahlt sie nicht. Grundsätzlich könnte nun mit Klöckner mehr Marktwirtschaft in das Agrarministerium eingezogen sein. Im Laufe ihres Dürre-Managements zeigte sie, dass sie keine Freundin von flächendeckenden Subventionen ist, wie sie etwa der Bauernverband gerne fordert. Sie schaut stärker, wo diese wirklich nötig sind. Es gibt bei ihr bereits Aha-Momente, in denen man merkt, dass sie mit Traditionen brechen möchte.

Straffes Krisenmanagement, neues Image: Beides soll sicher auch Klöckners Karrierechancen in der CDU fördern – für die Nach-Merkel-Ära. In diesem Hitze-Sommer jedenfalls hat sie als Bundeslandwirtschaftsministerin zwar keinen Regen, aber auch keine Fehler gemacht.

Die Ministerin und ihr Amt: Wie hat Julia Klöckner die Krise gemeistert?
B. Nutz, ARD Berlin
11:23:00 Uhr, 22.08.2018

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. August 2018 um 08:08 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 16.10.2018, 23:32:44