Flugzeug //Bild: imago/Ralph Peters

Klimaschutz: Es gibt eine Menge zu tun

Gepostet am 18.07.2019 um 15:39 Uhr

Wenn wir beim Klimaschutz ernsthaft umsteuern wollen, wird es spürbare Belastungen für jeden Einzelnen geben. Und Politiker sollten das ehrlich zugeben, kommentiert Jim-Bob Nickschas.

Umweltministerin Svenja Schulze ist zurzeit die wohl ehrlichste Politikerin in der Bundesregierung. Denn als einzige spricht sie die unbequeme Wahrheit aus: Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Auch wenn die meisten anderen Politiker uns das gerne immer wieder vorgaukeln wollen – und auch nicht davor zurückschrecken, Schulze in die Parade zu fahren.

Als sie vor kurzem verschiedene Modelle für eine CO2-Bepreisung vorstellte und dann auch noch verkündete, sie könne sich eine Umsetzung schon ab kommendem Jahr vorstellen, bezeichnete Wirtschaftsminister Peter Altmaier diesen Plan als untauglich – die Belastungen seien einfach zu hoch.

Fliegen ist nicht das größte Problem

Aber genau das ist der springende Punkt. Es wird Belastungen geben, wenn wir beim Klimaschutz tatsächlich ernsthaft umsteuern wollen. Und zur Wahrheit gehört auch, dass Fliegen dabei längst nicht das größte oder gar das einzige Problem ist. Wir müssen über den Autoverkehr reden. Über das Heizen. Über die Dämmung unserer Häuser. Und auch über unseren Fleischkonsum. Wir werden uns persönlich einschränken und mehr dafür bezahlen müssen, um die Erderwärmung in Grenzen zu halten.

Natürlich lassen sich mit solchen Wahrheiten auf den ersten Blick keine Wählerstimmen gewinnen. Was deutsche Politiker jedoch übersehen: In der Bevölkerung gibt es nach jüngsten Erhebungen durchaus schon eine Bereitschaft dafür, sich für den Klimaschutz einzuschränken. Schon jetzt verzichten Bürger freiwillig auf Fleisch oder würden gern nur noch mit dem Rad zur Arbeit fahren statt mit dem Auto – nur: in vielen Großstädten gibt es dafür schlicht keine Infrastruktur. Auch Geringverdiener würden sich gern ein Elektroauto zulegen, können sich das aber nicht leisten.

Es gibt eine Menge zu tun

Und spätestens, seit die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg bei uns präsent ist, schwappt auch der Begriff der „Flugscham“ vermehrt nach Deutschland: Wer in den sozialen Netzwerken damit prahlt, mehrmals im Jahr auf die Malediven zu fliegen oder mal eben von München nach Berlin, darf sich von seinen Followern viel Kritik anhören – und die Frage, warum er für den Städtetrip nicht den Zug genommen hat. Die Antwort lautet oft, dass der ICE fast dreimal so teuer gewesen wäre.

Und genau hier muss das Klima-Kabinett ansetzen. Wie Svenja Schulze schon ganz richtig sagt: Ein innerdeutscher Flug darf nicht günstiger sein als eine Zugfahrt – die wiederum sollte aber auch für mehr Menschen bezahlbar sein. Es gibt also eine ganze Menge zu tun. Infrastruktur ausbauen, den Nahverkehr für die Pendler stärken, klimafreundliches Bauen mehr subventionieren und ja – auch ein Modell für eine CO2-Bepreisung einführen, das nicht diejenigen noch mehr belastet, die sich ohnehin für den Klimaschutz einschränken.

Das alles wird unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen – wer das als Politiker aber ehrlich zugibt und die Augenwischerei sein lässt, der hat größere Chancen, dass auch alle mitziehen.

Korrespondent

ARD-Hauptstadtstudio

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Der Bericht aus Berlin

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Zuletzt aktualisiert: 20.09.2019, 09:34:24