Bei der Afrika-Konferenz in Berlin empfing Bundeskanzlerin Merkel auch Staats-und Regierungschefs aus Afrika/ Quelle: imago

Kleine Nachrichten, die Hoffnung machen

Gepostet am 13.06.2017 um 16:54 Uhr

Die Ansprüche der Bundesregierung an die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Entwicklungshilfe für Afrika sind hoch. Christoph Prössl beleuchtet in seinem Kommentar die Fallstricke.

Es sind die kleinen Nachrichten, die Hoffnung machen. In Mali sollen Politiker, Beamte und Militärs künftig Auskunft geben über ihre Einkünfte. Das betrifft rund 55.000 Personen und dient dem Kampf gegen die Korruption. Eine solche Initiative könnte Bestechung, Vorteilnahme und Bereicherung Einhalt gebieten und die Entwicklung in einem Land unterstützen, das zum Jahreswechsel 2012/2013 vor dem Zusammenbruch stand, bevor französische Kräfte die Islamisten und Kriminelle zurück drängten. Mittlerweile ist auch die Bundeswehr dort mit fast 1000 Soldatinnen und Soldaten. Die Korruptionsbekämpfung schenkt also ein wenig Hoffnung, dass die Lage in Mali sich bessern könnte und die internationalen Kräfte irgendwann einmal überflüssig werden.

Das Problem ist nur, keiner weiß, ob die Maßnahmen wirken. Und Korruptionsbekämpfung ist nur eine von so vielen wichtigen Reformen, die nötig sind, um Prosperität zu erlangen. Dazu kommt: Afrika hat 55 Länder. Diese Erkenntnis kann schon mal das Gefühl der Hoffnungslosigkeit befördern.

Bundesregierung im Kampf gegen die Armut

Die Bundesregierung will den Kampf gegen Armut, für eine wirtschaftlich positive Entwicklung  in Afrika aufnehmen. Auch, um Fluchtursachen zu bekämpfen. Das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden, dagegen habe ich nichts. Der Ansatz ist auch grundsätzlich richtig. Anreize schaffen für private Investitionen. Die Konzerne einbinden. Mit Partnerländern Reformen vereinbaren.

Doch es gibt auch Kritikpunkte. Wenn die Bundesregierung Konzerne wie Siemens, Bosch oder Nestle einbinden möchte, darf das nicht dazu führen, dass kleinere afrikanische Unternehmen an die Wand gedrängt werden.

Wenn die Bundesregierung die reformwilligen Staaten unterstützt, dürfen die ganz schlecht entwickelten darüber nicht vergessen werden. Länder, in denen der Staat quasi nicht-existent ist, sind besonders anfällig für Krieg und Hunger.

Nahrungsmittellieferungen fehlen

Auch wenn es richtig ist, Millionen für die Förderung von wirtschaftlicher Entwicklung einzusammeln: In einigen Ländern Afrikas wären Nahrungsmittellieferungen viel angebrachter. Wenn die internationale Staatengemeinschaft diesen Notlagen nicht begegnen kann, ist das das Armutszeugnis der Industrieländer.

Weiterer Kritikpunkt: Die Initiative der Bundesregierung definiert keine sozialen und ökologischen Standards. Das ist unklug. Hier entstehen möglicherweise schon die nächsten Probleme, denen sich die Staatengemeinschaft dann in ein paar Jahren widmen muss.

Soziale und ökologische Standards nicht vergessen

In den politischen Reden klingt alles so schön: Mit Afrika sprechen statt über Afrika, sagt Kanzlerin Merkel. Private Investitionen sind der Schlüssel, behauptet Finanzminister Schäuble. Und Entwicklungsminister Müller fasst alle Initiativen unter dem Begriff Marshall-Plan zusammen, jenem Plan also, mit dem die Amerikaner nach dem zweiten Weltkrieg halfen, Europa aufzubauen. Ein Superlativ, mehr geht nicht, jetzt kommt Afrika.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sollte die Bundesregierung Hungerkrisen nicht außer Acht lassen und soziale und ökologische Standards nicht vergessen.

Zuletzt aktualisiert: 27.06.2017, 02:18:00