Kein leichtes Spiel

Gepostet am 25.05.2020 um 15:01 Uhr

Spielen im Freien ist wichtig – das finden sowohl Eltern als auch Kinder. Doch nicht überall sind die Bedingungen dafür ideal. Das Kinderhilfswerk fordert im Kinderreport daher mehr und bessere Möglichkeiten. Von Sabine Müller.

Spielen im Freien ist wichtig – das finden sowohl Eltern als auch Kinder. Doch nicht überall sind die Bedingungen dafür ideal. Das Kinderhilfswerk fordert im aktuellen Kinderreport daher mehr und bessere Möglichkeiten.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Als das Deutsche Kinderhilfswerk im Januar mehr als 1600 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum „Draußenspielen“ befragte, da waren Corona, Abstandsregeln und geschlossene Spielplätze noch kein Thema. Aber die neue Lage habe die Erkenntnisse des Kinderreports nicht weniger relevant gemacht, meint Hilfswerk-Chef Thomas Krüger, im Gegenteil: „Sie sind vor dem Hintergrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie umso mehr ein Leitfaden und auch Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, was getan werden kann, um Spielen draußen für Kinder zu erleichtern und zu fördern.“

Im Freien spielen ist wichtig, das finden Kinder und Erwachsene – die Erwachsenen allerdings noch deutlich häufiger als die Kinder selbst. Und je älter sie werden, desto weniger interessieren sie sich dafür. Grundsätzlich meint aber eine große Mehrheit, es müsse mehr nahe gelegene Spielorte wie Spielplätze, Wiesen und Spielstraßen geben und die müssten besser erreichbar sein, etwa mit kostenlosen Bussen und Bahnen oder auf sicheren Radwegen.

Gefährlicher Straßenverkehr

Allerdings scheinen Nähe und Erreichbarkeit nicht die Hauptprobleme zu sein, die Kinder vom Spielen draußen abhalten. Claudia Neumann vom Kinderhilfswerk wertete die Umfrage aus: „Hauptgrund für die Kinder und Jugendlichen, nicht draußen zu spielen, ist das Fehlen anderer Kinder zum Spielen. Ein weiterer wichtiger Grund ist die fehlende Zeit.“

Erwachsene dagegen sehen andere wichtige Hinderungsgründe beim Spielen draußen: Andere Kinder und Jugendliche, die Kinder ärgern und ängstigen, den gefährlichen Straßenverkehr und meckernde Erwachsene.

Das Kinderhilfswerk argumentiert: Wo Spielkameraden fehlen, fehle es an Treffpunkten und Angeboten, wo sich Kinder begegnen. Da müsse die Politik ran – zum Beispiel mit besserer, kinderfreundlicher Stadtentwicklung und mehr Kinder- und Jugendarbeit, aber auch mehr Freiräumen im Alltag, etwa im durchgetakteten Ganztagsschulbetrieb. Ideen gibt es viele: Mehr Tempo-30-Zonen, mehr Spielstraßen, einmal im Jahr ein autofreier Sonntag, an dem Kinder überall auf den Straßen spielen könnten.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD)

Entwurf vorgelegt

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Giffey plädiert für Kinderrechte im Grundgesetz

„Gerade in Krisenzeiten dürfen wir die Interessen von Kindern und Jugendlichen nicht aus dem Blick verlieren“, sagt Familienministerin Franziska Giffey (SPD), die die Vorstellung des Kinderreports unterstützte. Sie fordert mehr Mitsprache für Kinder und Jugendliche, nutzte die Gelegenheit, fürs Wählen ab 16 Jahren zu werben und den Koalitionspartner Union daran zu erinnern, dass Kinderrechte wie besprochen ins Grundgesetz müssten: „Wann, wenn nicht jetzt in diesen Zeiten, wird einem bewusst, wie wichtig die Kinderrechte sind. Wie wichtig es ist, dass die Kinderrechte bei allen staatlichen Entscheidungen auch mit berücksichtigt werden.“

Was die aktuelle Corona-Lage angeht, so befürwortet die Familienministerin Öffnungsschritte in den Bundesländern, die Kindern zugutekommen. Allerdings betont sie: Das seien natürlich immer Abwägungsfragen, die vor Ort entschieden werden müssten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Mai 2020 um 14:15 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 19.09.2020, 05:26:34