KI – Gefahr und Chance für den Arbeitsmarkt

Gepostet am 17.06.2019 um 16:16 Uhr

Beim zehnten „Zukunftsgespräch“ diskutieren Kanzlerin Merkel und weitere Regierungsmitglieder mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern über Künstliche Intelligenz. Denn die wird den Arbeitsmarkt umkrempeln. Von Thomas Kreutzmann.

Schon jetzt sind Roboter und Computerprogramme lernfähiger, als manchem lieb ist. Denn die Automaten ersetzen zunehmend Menschen an ihrem Arbeitsplatz. „Künstliche Intelligenz“ ermöglicht, lernende Systeme nicht nur an Montagebändern und in Lagerhallen einzusetzen.

Schon jetzt oder bald ersetzen Maschinen auch Finanz- und Steuerberater oder sogar Juristen, – vor allem dort, wo keine allzu individuellen Lösungen gefragt sind, sondern wo immer wiederkehrende Rahmendaten und Rechtsrichtlinien angewendet werden müssen.

Die Aufgabe ist gewaltig

Über dieses Szenario diskutieren Bundeskanzlerin Merkel und Vizekanzler Scholz sowie verschiedene Ministerinnen und Minister mit prominenten Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern am Montagnachmittag beim Sozialpartner-Dialog im Schloss Meseberg vor den Toren Berlins.

Die Aufgabe ist gewaltig. Am Ende wird sich entscheiden, ob mit dem größten Strukturwandel seit Erfindung von Dampfmaschine und mechanischem Webstuhl, also seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, Massenarbeitslosigkeit, Verarmung und soziale Unruhe kommen werden. Oder ob die Gesellschaft fähig ist, den Strukturwandel zu gestalten und am Ende zu mehr Wohlstand und Sicherheit zu gelangen.

Es geht um Millionen Arbeitsplätze

Auch in Deutschland könnten Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, IAB, sieht besonders die Regionen mit einem hohen Anteil an verarbeitendem Gewerbe betroffen: an der Spitze das Saarland, Thüringen, Baden-Württemberg, aber auch etwa Niedersachsen.

Doch es könnten dafür auch Millionen andere Jobs entstehen, auf neuen Handelsplattformen oder bei Betreibern großer Cloudserver. Die Datensammelbänke könnten sensible Daten deutscher Technologiemittelständler miteinander vernetzen, die man in Zukunft vielleicht nicht mehr den Cloudservern von US-Konzernen anvertrauen möchte.

DGB fordert mehr Ehrgeiz

DGB-Chef Reiner Hoffmann sagt dem ARD-Hauptstadtstudio: Man müsse die Menschen „unter sicheren Bedingungen“ sozusagen von A nach B mitnehmen, „unter Vermeidung von Arbeitslosigkeit und Einkommensverlusten.“

Dafür ist offenbar noch Einiges zu tun. Hoffmann wünscht sich von der Politik mehr Ehrgeiz, zum Beispiel beim Ausbau der Infrastruktur. Denn in Regionen, in denen schnelles Internet fehlt, könnten gerade kleinere und mittlere Unternehmen nicht im Weltmaßstab mithalten. Und er fordert massive Weiterbildungsanstrengungen.

Thomas Kreutzmann vom ARD-Hauptstadtstudio hat mit DGB-Chef Hoffmann vor dem Meseberger Treffen gesprochen. Hoffmanns wichtigste Aussagen anbei im Video:

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2019, 12:43:02