Keine Regierung war auch kein Weltuntergang

Gepostet am 14.03.2018 um 16:12 Uhr

Es wird wieder genölt werden über die GroKo, über eingemauerte Mehrheitsverhältnisse, dass sich nichts verändere in Merkel-Land. Dabei war es doch fast eine Revolution, was sich im letzten halben Jahr abgespielt hat, findet Andreas Reuter.

Die Kollegen in Frankfurt haben uns gefragt: Freut ihr euch, dass jetzt endlich wieder regiert wird? Dass ihr jetzt wieder über handfeste Sachpolitik berichten könnt, statt immer nur über Sondierungen und Koalitionsverhandlungen? Ehrlich gesagt: Ich tue das nicht. Es war eine spannende Zeit. Da ist viel passiert. Es hat die Parteien ordentlich durchgeschüttelt, vor allem die SPD, aber nicht nur.

Und in Koalitionsverhandlungen können in wenigen Wochen mehr handfeste Sachentscheidungen fallen, als in den Regierungsjahren danach. Jedenfalls was die großen Linien angeht. Ich habe auch kein Problem damit, dass sich die Akteure dafür etwas mehr Zeit genommen haben, und dass vorher mit Jamaika sogar etwas ganz neues wenigstens mal ausprobiert wurde.

Fast eine Revolution

Diejenigen, die sich jetzt beklagen, die Politiker seien viel zu langsam zu Potte gekommen, das sind vermutlich genau diejenigen, die gleich ab morgen wieder über die Groko nölen werden, über bleiernen Stillstand, über eingemauerte Mehrheitsverhältnisse, dass sich nichts verändere in Merkel-Land. Dabei war es doch fast eine Revolution, was sich da abgespielt hat: Ein halbes Jahr lang hatten wir keine Bundesregierung, und es war nicht der Weltuntergang.

Im Gegenteil: Wir haben gesehen, dass dieses Land auch ganz gut funktionieren kann, ohne dass in Berlin dauernd neue Gesetze gemacht werden. Und dass der Koalitionsvertrag jetzt nicht der große Wurf ist: Schwamm drüber. Vielleicht ist er ja bald abgearbeitet. Und dann erleben wir womöglich  die nächste Revolution. Dass eine GroKo, die eigentlich keiner wollte, auch nicht unbedingt bis zum bitteren Ende durchregieren muss. Und dass es auch nicht den Weltuntergang bedeutet, wenn wir nach zwei Jahren schon wieder wählen dürfen.

Zuletzt aktualisiert: 10.12.2018, 13:55:19