Alles wartet auf Merkel

Gepostet am 20.11.2016 um 10:23 Uhr

In Berlin bereiten die Spitzengremien der CDU den Parteitag Anfang Dezember vor – sicherlich wichtig, aber richtig spannend wird es am Abend. Dann nämlich erklärt CDU-Chefin Angela Merkel, ob sie noch einmal Kanzlerkandidatin ihrer Partei werden will. Von C. Reible.

In Berlin bereiten die Spitzengremien der CDU den Parteitag Anfang Dezember vor – sicherlich wichtig, aber richtig spannend wird es am Abend. Dann nämlich erklärt CDU-Chefin Angela Merkel, ob sie noch einmal Kanzlerkandidatin ihrer Partei werden will.

Von Cecilia Reible, ARD-Hauptstadtstudio

Angela Merkel lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Seit Monaten wird sie immer wieder gefragt, ob sie denn bei der Bundestagswahl 2017 wieder als Kanzlerkandidatin der Union antreten wird. Und ihre Antwort klingt immer ähnlich: “Und die Frage, ob ich auch bei der nächsten Bundestagswahl wieder antrete, die werde ich zum geeigneten Zeitpunkt beantworten, und der ist heute nicht gegeben.” Das war am vergangenen Donnerstag, als der scheidende US-Präsident Barack Obama die Kanzlerin bei seinem Abschiedsbesuch in Berlin traf.

Die Frage, ob Merkel erneut kandidieren würde, war nicht aus der Luft gegriffen. Denn seit Beginn der Woche wurde wieder heftig in der Öffentlichkeit spekuliert, ob die CDU-Chefin noch einmal antritt. Den Stein ins Rollen gebracht hatte vor einigen Tagen der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen in einem CNN-Interview: “Sie wird als Kanzlerkandidatin antreten”, hatte Röttgen dem Sender gesagt.

CDU geht “fest davon aus”

Ein Dementi gab es nicht, im Gegenteil: Andere Christdemokraten äußerten im Lauf der Woche ähnliche Erwartungen, zum Beispiel der Europapolitiker Elmar Brok und EU-Kommissar Günther Oettinger. Und CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach wiederholte im MDR, was er schon im Oktober gesagt hatte: “Ich gehe fest davon aus, dass Angela Merkel noch einmal antreten wird. Ich habe auch überhaupt keine Anzeichen dafür, dass sie amtsmüde ist. Und Norbert Röttgen ist einer der klügsten Köpfe, die wir haben, wenn Norbert Röttgen sagt, die Kanzlerin tritt wieder an, dann muss sie ja quasi wieder antreten. Sie kann ja nicht den Norbert Röttgen enttäuschen und die Partei wird sie auch nicht enttäuschen wollen.”

Und auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ist überzeugt, dass Merkel eine vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin anstrebt. Gabriel kam auf dem Landesparteitag der Thüringer SPD in Erfurt auf das Thema zu sprechen: “Wir alle erwarten jetzt, dass am Sonntag Frau Merkel das sagt, was jeder weiß: Nämlich, dass sie die CDU auch in die nächste Wahl führen wird, das ist keine große Überraschung.”

Guter Zeitpunkt für eine Entscheidung

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass der Zeitpunkt für Merkel, sich zu erklären, jetzt wirklich gegeben ist: Schließlich rückt der CDU-Bundesparteitag in Essen Anfang Dezember immer näher. Auch sind Baustellen wie die Suche nach einem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten inzwischen abgeräumt. Und auch der offene Streit mit der Schwesterpartei CSU über die Flüchtlingspolitik ist weitgehend befriedet. Passenderweise hat die CSU am Abend in München ein eigenes Spitzentreffen. Parteichef Horst Seehofer könnte also postwendend auf die Erklärung Merkels reagieren.

Aber vielleicht kommt alles auch ganz anders: Merkel könnte es weiter spannend machen und vielleicht nur mitteilen, ob sie sich erneut als CDU-Vorsitzende bewirbt. Die Kanzlerkandidatur könnte sie dann publikumswirksam beim Parteitag erklären. Oder – aber damit rechnet eigentlich niemand – sie erklärt ihren Verzicht. Die Auflösung gibt es heute Abend.

Die Pressekonferenz von Kanzlerin Merkel können Sie heute Abend ab voraussichtlich 19.00 Uhr bei uns im Livestream verfolgen.

Angela Merkel und die K-Frage
C. Reible, ARD Berlin
21:01:00 Uhr, 19.11.2016

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. November 2016 um 06:04 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 06:57:53