Junge Wähler für Labour?

Gepostet am 09.06.2017 um 16:49 Uhr

Die Jungwähler haben bei der Wahl in Großbritannien ein Zeichen gesetzt, ihre Wahlbeteiligung ist gestiegen. Was dahinter steckt, analysiert Ariane Reimers.

Eines war anders bei diesen Wahlen: die Jungen haben mitgemacht. Die Wahlbeteiligung in der Gruppe der 18-24jährigen ist gestiegen, vor allem im Vergleich zur Beteiligung an den letzten Parlamentswahlen vor zwei Jahren. Wie stark der Anstieg ist, wird man aber erst in der kommenden Woche erfahren, wenn die Zusammensetzung der Wählerschaft ausgewertet ist. Im Internet kursiert eine erste Schätzung. Danach sollen diesmal 72% der Jungwähler abgestimmt haben. Woher diese Zahl genau kommt, ist aber nicht nachzuvollziehen. Beim Brexit-Referendum stimmten 64% der Jungwähler ab, bei der letzten Parlamentswahl 2015 waren es nur 43%.

Die jungen Wählerinnen und Wähler könnten den Misserfolg von Theresa May mit-verursacht haben, denn Labour-Chef James Corbyn hat viele Anhänger bei den jungen Erwachsenen. Das britische Meinungsforschungsinstitut YouGov hat herausgefunden, dass sich die Altersgruppe der 18-24jährigen traditionell eher für Labour entscheidet – die Partei liegt dort mit 19% vorn –, wohingegen die über 65jährigen konservativ wählen – da sind die Torys 45% voraus. Diesmal könnte bei den Jungen vor allem die Forderung nach einer Abschaffung der Studiengebühren und einer Erhöhung des Mindestlohns gezogen haben.

Fest steht, dass sich für die Wahlen wesentlich mehr junge Wählerinnen und Wähler registriert haben (in Großbritannien muss man sich aktiv in ein Wahlregister eintragen). Dahinter steht offenbar der Wunsch, sich stärker einzumischen und an der Politik zu beteiligen. Nach dem Brexit-Referendum hatten sich viele junge Menschen enttäuscht gezeigt, da ihre Altersgruppe mehrheitlich für den Verbleib in der EU gestimmt hatte, sie sich aber nicht gegen die Brexit-Befürworter durchsetzen konnten.

Zuletzt aktualisiert: 25.06.2017, 02:12:47