Tilman Kuban, frisch gewählter Vorsitzender der Jungen Union

Junge Union – laut, aber lernfähig

Gepostet am 05.08.2019 um 16:38 Uhr

Junge Mitglieder verzweifelt gesucht. Die meisten Parteien haben ein Jugendproblem. Für CDU und CSU soll die Junge Union den politischen Nachwuchs anlocken, allerdings ist das in Zeiten von Twitter-Hashtags wie „Nie mehr CDU“ nicht immer ganz so einfach.

Berlin, Mitte März 2019. Tilman Kuban bewirbt sich auf dem Deutschlandtag der Jungen Union um den Bundesvorsitz und knöpft sich beim Thema europäischer Urheberrechtsreform und Uploadfilter die CDU-Führung vor:

„Und wir müssen auch erkennen und das muss auch die Parteivorsitzende erkennen, dass es nicht nur ein paar Internet-Nerds sind, die wir da gegen die CDU aufbringen. Es ist eine ganze Generation, die für uns verloren geht“.

Kubans Kassandrarufe verhallen ungehört. Viele in der Jungen Union nehmen das der Mutterpartei übel, einige versagen ihr sogar die Unterstützung im Europawahlkampf. Mit ihren rund 110 000 Mitgliedern ist die gemeinsame Jugendorganisation von CDU und CSU ein wichtiger Faktor bei Wahlkämpfen und Größe macht selbstbewusst.

„Wir tragen auch in die Mutterpartei Themen hinein. Uns ist ganz besonders wichtig, dass wir das sehr gute Schulniveau und Bildungsniveau im Freistaat Sachsen halten. Uns ist das Thema Sicherheit ganz wichtig und so wollen wir über Themen die Menschen von uns begeistern und für uns mitnehmen“.

Herausforderung in Ostdeutschland

Florian Oest ist Landesvorsitzender der Jungen Union Sachsen und Niederschlesien. In einem Straßencafé in seiner Heimatstadt Görlitz erzählt er, dass er die Themen, die viele junge Menschen hier umtreiben, aus eigener Erfahrung kenne:

„Ich hab‘ ganz besonders in Görlitz natürlich die Situation, dass es schon schwierig ist, mir eine Existenz aufzubauen und einen Job zu finden, von dem ich dann letzten Endes leben kann. Das haben wir in der Region tatsächlich, die Schwierigkeit, dass ich häufig auch noch pendeln muss, nach Dresden, was ich selbst auch regelmäßig tue, zur Arbeit“.

Das Verhältnis zur CDU Sachsen bezeichnet Oest als gut – allerdings ist in der Auseinandersetzung mit der AfD im Landtagswahlkampf auch Einigkeit gefragt. Bei der Mitgliedergewinnung sieht Victoria Lehman, Kreisvorsitzende der Jungen Union Rostock, eine besondere Herausforderung für die ostdeutschen JU-Verbände:

„Wenn man in Niedersachsen guckt, da ist es das Normalste der Welt, in der Jungen Union zu sein, weil schon der Opa in der Jungen Union war und das ist natürlich bei uns komplett anders in Mecklenburg-Vorpommern und den anderen Bundesländern“.

Seit Januar ist Lehmann außerdem Mitgliederbeauftragte der JU Deutschlands:

„Wir haben das quasi kopiert von der CDU tatsächlich. Da ist es verpflichtend, dass jeder Kreisverband einen Mitgliederbeauftragten hat und das geht dann durch alle Ebenen“.

Möglichst direkt und unbürokratisch

Die Aufgabe ist klar: Neue Mitglieder gewinnen, einbinden und halten, etwa durch die Möglichkeit, an konkreten Themen und Projekten mitzuarbeiten – möglichst direkt und unbürokratisch, um auch diejenigen anzusprechen, die die Idee der klassischen Parteiarbeit womöglich eher abschreckt. Oder das, was sie von Nachwuchspolitikern hören – etwa zum Thema Klimaschutz, von Tilman Kuban auf dem JU-Deutschlandtag im März:

„Denn während andere Strohhalme verbieten, bringen wir die Recyclingsysteme in die Länder Südostasiens. Das löst die Probleme und das hat einen Nobelpreis verdient und nicht das Schuleschwänzen, liebe Freundinnen und Freunde“.

CDU und CSU auf Trab halten

Dieser Angriff auf Klimaaktivistin Greta Thunberg und die Fridays for Future Demonstrationen tausender Schülerinnen und Schüler – aus heutiger Sicht ein Fehler, das räumt JU-Chef Kuban inzwischen selbstkritisch ein, „deswegen finde ich, soll es nicht so sehr darum gehen, dass wir immer nur auf die Schulpflicht drängen, sondern wir sollten viel, viel mehr daraufsetzen, was eigentlich die inhaltlichen Forderungen sind. Das wäre zumindest mein Appell an die CDU“.

Es dürfte nicht der letzte gewesen sein, denn es gehört zum Selbstverständnis der Jungen Union, CDU und CSU auf Trab zu halten. Nach dem Motto laut, aber auch lernfähig.

Autorin: Franka Welz

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2019, 19:53:55