Trotz Sicherheitsprüfung nicht aufgefallen

Gepostet am 30.11.2016 um 01:31 Uhr

Ein Quereinsteiger wird beim Verfassungsschutz angestellt, um die islamistische Szene zu observieren. Er galt als unauffällig. Doch der Mann ist offenbar selbst Islamist – und hat den Verfassungsschutz ausspioniert. Von M. Götschenberg.

Ein Quereinsteiger wird beim Verfassungsschutz angestellt, um die islamistische Szene zu observieren. Er galt als unauffällig. Doch der Mann ist offenbar selbst Islamist – und hat den Verfassungsschutz ausspioniert.

Von Michela Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Dass Extremisten versuchen, den Verfassungsschutz zu infiltrieren, ist nicht neu. Im Februar war bekannt geworden, dass sich auf Stellenausschreibungen des Bundesamts für Verfassungsschutz zwei Rechtsextremisten, ein Linksextremist und ein Islamist beworben hatten – ein Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes hatte es auch versucht.

Alle waren aufgeflogen, weil sie in der nachrichtendienstlichen Datenbank des deutschen Inlandsgeheimdienstes, kurz NADIS, bereits erfasst waren. Bei einem 51-jährigen Islamisten, der sich ebenfalls beim Bundesamt beworben hatte, war das offenbar nicht der Fall.

Als Quereinsteiger eingestellt

Gestern Abend teilte der deutsche Inlandsgeheimdienst mit, es sei gelungen, “einen mutmaßlichen Islamisten unter seinen Mitarbeitern zu enttarnen”. Wie “Spiegel Online” berichtet, wurde der Mann im April als Quereinsteiger eingestellt, er soll zuvor bei einer Bank gearbeitet haben. Dass er 2014 zum Islam konvertierte, soll nicht einmal seine Familie gewusst haben.

Der Mann habe sich “im Bewerbungsverfahren, während der Ausbildung und in seinem Einsatzbereich unauffällig verhalten”, so das Bundesamt. Eingesetzt war er in einer Observationsgruppe für die islamistische Szene.

Pech mit dem Chatpartner

Im Internet hingegen war er alles andere als unauffällig unterwegs – im Gegenteil. In einem islamistischen Internetchat bekannte sich der Mann mit falscher Identität dazu, beim Verfassungsschutz zu sein und verriet offenbar sensible Details über Einsätze. Doch nicht nur das: Man könne weitere Islamisten beim Verfassungsschutz einschleusen, soll er vorgeschlagen haben, auch von einem Anschlag auf die Zentrale des Bundesamts in Köln Chorweiler soll die Rede gewesen sein.

Pech hatte er allerdings mit seinem Chatpartner. Der arbeitete nämlich ebenfalls für den Verfassungsschutz, ob als Informant oder Mitarbeiter ist noch unkla. Jedenfalls informierte er das Bundesamt. Der Anschlagsplan scheint jedoch von der Umsetzung weit entfernt gewesen zu sein. Wie ernst der Plan war, was den Mann überhaupt angetrieben hat und wie gefährlich er war, lässt sich noch nicht einschätzen. Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz gibt es bisher zumindest “keine Belege dafür, dass eine konkrete Gefahr für die Sicherheit des Amtes und seiner Mitarbeiter bestanden hat”.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat die Ermittlungen übernommen, der Mann sitzt zurzeit in Untersuchungshaft. Peinlich ist der Vorfall jedoch allemal. Das Bundesamt muss sich fragen lassen, warum der Mann trotz Sicherheitsüberprüfung nicht aufgefallen ist.

Islamist beim Verfassungsschutz enttarnt
M. Götschenberg, ARD Berlin
00:03:00 Uhr, 30.11.2016

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 04:52:31