Markt mit Potenzial – und Problemen

Gepostet am 29.05.2017 um 18:08 Uhr

Indiens Premierminister Modi ist zu Besuch in Berlin. Insbesondere die Wirtschaft hofft auf Fortschritte durch die deutsch-indischen Regierungskonsultationen. Denn Indien ist für deutsche Unternehmen ein wichtiger, aber schwieriger Markt. Von Marion von Haaren.

Indiens Premierminister Modi ist zu Besuch in Berlin. Insbesondere die Wirtschaft hofft auf Fortschritte durch die deutsch-indischen Regierungskonsultationen. Denn Indien ist für deutsche Unternehmen ein wichtiger, aber schwieriger Markt.

Von Marion von Haaren, ARD-Hauptstadtstudio

Indien ist ein Markt der Superlative: Es hat nach China mit 1,3 Milliarden Menschen die größte Bevölkerung, es gehört zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen, schafft hohes Wachstum und verspricht mit seinem Riesenhunger auf “Made in Germany” den deutschen Export weiter anzuheizen – also ein idealer Handelspartner für Deutschland und die EU.

Viele DAX-Konzerne produzieren in Indien

Etwa 1800 deutsche Unternehmen produzieren auf dem Subkontinent. Vor allem DAX-Konzerne engagieren sich: BASF unterhält seit Neuestem ein Entwicklungszentrum in Mumbai, Bosch konstruiert Einspritzsysteme für die Automobilindustrie, Siemens fertigt im Bereich Medizintechnik. Groß einsteigen will auch die Deutsche Post mit Logistiksystemen für den indischen Kontinent. Doch trotz der viel versprechenden Aussichten bleiben deutsche Investitionen weit hinter den Möglichkeiten zurück.

Bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren weckte Premierminister Narendra Modi große Erwartungen, “doch bis jetzt kommen die Handelsbeziehungen einfach nicht recht vom Fleck”, beklagt Dirk Matter, Direktor der Deutsch-Indischen Handelskammer in Düsseldorf. Gerade der Mittelstand habe großen Nachholbedarf. Deutschlands Direktinvestitionen dümpeln seit Jahren um den Wert von rund einer Milliarde Dollar pro Jahr. Experten zufolge wäre dabei ein Vielfaches möglich.

Klagen über Bürokratie und Korruption

Doch für deutsche Unternehmen bleibt Indien ein schwieriger Markt: Wirtschaftsvertreter klagen über zu viel Bürokratie und zu wenig Infrastruktur. Auch bei der Korruptionsbekämpfung tritt das Land dem Bundesverband der Deutschen Industrie zufolge noch immer auf der Stelle. Dabei hat Premierminister Modi schon das Bargeld quasi abgeschafft, indem er im November über Nacht 80 Prozent des Bargelds für ungültig erklärte.

Dennoch halten beide Seiten an ihrem Plan fest: ein europäisch-indisches Freihandelsabkommen. Das scheiterte bisher an zu hohen indischen Einfuhrzöllen – etwa auf französischen Wein – und an strengen EU-Einreise-Regeln gegenüber indischen IT-Spezialisten: Diese sollen zwar hier leben – aber auf indischem Lohnniveau.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Mai 2017 um 17:40 Uhr in der Wirtschaft.

Zuletzt aktualisiert: 18.08.2017, 08:41:53