Twitter-Attacke bei laufender Aussage

Gepostet am 16.11.2019 um 00:03 Uhr

Kaum hatte die ehemalige US-Botschafterin Yovanovitch ihre Aussage vor dem Kongress begonnen, holte Trump auf Twitter zum Gegenschlag aus. Die Demokraten sprachen von Einschüchterung. Von Katrin Brand.

Kaum hatte die ehemalige US-Botschafterin Yovanovitch ihre Aussage vor dem Kongress begonnen, holte Trump auf Twitter zum Gegenschlag aus. Die Demokraten sprachen von Einschüchterung.

Von Katrin Brand, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Washington

Die Anhörung hatte kaum angefangen, da mischte sich der US-Präsident persönlich ein. Per Twitter griff Donald Trump die frühere Botschafterin direkt an. Wohin auch immer Marie Yovanovitch gegangen sei, hätten sich die Dinge zum schlechten entwickelt, schrieb Trump.

In Somalia zum Beispiel und in der Ukraine habe der neue Präsident schon im zweiten Telefonat schlecht über sie gesprochen. Und es sei das absolute Recht des US-Präsidenten, Botschafter zu ernennen, so Trump in seiner Kurznachricht.

Everywhere Marie Yovanovitch went turned bad. She started off in Somalia, how did that go? Then fast forward to Ukraine, where the new Ukrainian President spoke unfavorably about her in my second phone call with him. It is a U.S. President’s absolute right to appoint ambassadors. (15.11.2019 16:01 Uhr via Twitter)

Das sorgte für Aufruhr in der Sitzung. Yovanovitch hatte vorher schon berichtet, sie fühle sich bedroht – und nun: „Ich weiß nicht, was der Präsident tun möchte, aber der Effekt ist einschüchternd“, sagte sie. Und Adam Schiff, Demokrat und Vorsitzender des Ausschusses, versicherte, einige hier nähmen Einschüchterung sehr ernst.

Seit 2016 in Kiew

Die 61-jährige Yovanovitch arbeitet seit mehr als 30 Jahren im Außenministerium. „Mein Dienst ist ein Zeichen der Dankbarkeit für all das das, was dieses Land meine Eltern und mir gegeben hat“, sagte sie. Sie habe ein Ziel gehabt: die erklärten außenpolitischen Ziele der USA zu verfolgen.

Seit 2016 arbeitete Yovanovitch als US-Botschafterin in Kiew, in Zeiten des Umbruchs. Die Ukraine in die wirtschaftliche und politische Stabilität zu führen, sei im Interesse der USA gewesen, betonte sie. Dazu gehörte auch der Kampf gegen die Korruption.

Aber, so berichtete sie, nicht alle Ukrainer hätten dieses Ziel der USA unterstützt. Die, die lieber weiter nach den alten, korrupten Regeln spielen wollten, hätten versucht, sie aus ihrem Amt zu entfernen. „Was mich bis heute verwundet, ist, dass diese Ukrainer es geschafft haben, amerikanische Verbündete zu finden und es schließlich schafften, eine US-Botschafterin zu entfernen“, sagte sie.

Plötzlich abberufen

Obwohl ihr Vertrag eigentlich verlängert werden sollte, wurde Yovanovitch im Mai plötzlich von ihrem Posten zurückberufen. Sie habe nicht mehr das Vertrauen des Präsidenten, war die Begründung. Warum, habe sie nie erfahren, so Yovanovitch. Sie beschrieb sich als Opfer einer Schmutzkampagne, unter anderem durch Rudy Guiliani, den persönlichen Anwalt Donald Trumps.

Da wurde behaupt, dass sie eine Liste führe, welche Ukrainer nicht wegen Korruption verfolgt werden sollten. Oder dass sie befohlen habe, den Anordnungen des Präsidenten nicht zu folgen. Alles nicht wahr. Auch vom Trump selbst fühlte sie sich angegriffen. In einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten hatte er angedeutet, Yovanovitch werde einiges durchmachen. Das habe nicht gut geklungen – sie habe sich bedroht gefühlt, sagte sie auf Nachfrage.

Für die Demokraten ist Yovanovitch ein weiterer Beleg dafür, wie der Präsident und sein Anwalt Rudy Giuliani in der Ukraine eine Neben-Außenpolitik betrieben haben. Die Republikaner hingegen glauben, dass Yovanovitch zum Verfahren nicht betragen kann, weil sie zu den entscheidenden Ereignissen schon gar nicht mehr in Kiew war.

Trump schüchtert Zeugin ein
Katrin Brand, ARD Berlin, zzt. Washington
21:17:00 Uhr, 15.11.2019

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. November 2019 um 16:42 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 10.12.2019, 08:51:38