Republikaner reden Zeugen klein

Gepostet am 20.11.2019 um 10:02 Uhr

Die Anhörung von Zeugen in den Impeachment-Ermittlungen gegen US-Präsident Trump geht heute weiter. Der republikanische Vertreter im Komitee mag kein Fehlverhalten Trumps erkennen. Von Katrin Brand

Die Anhörung von Zeugen in den Impeachment-Ermittlungen gegen US-Präsident Trump geht heute weiter. Der republikanische Vertreter im Komitee mag kein Fehlverhalten Trumps erkennen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Wie viel Zeit US-Präsident Donald Trump vor dem Fernseher verbringt, ist nicht bekannt. Er habe Wichtigeres zu tun, behauptete er noch am ersten Tag der öffentlichen Impeachment-Anhörung. Am zweiten mischte er sich per Twitter in die laufende Befragung ein. Und am dritten räumte er ein: Er habe ein kleines bisschen gesehen. Genug, um zu wissen, was hier passiere, sei eine Schande und eine Peinlichkeit für die Nation.

Eine Lesart, die Trumps Parteifreunde von den Republikanern teilen. Allen voran Devin Nunes, der führende Abgeordnete bei den Befragungen. Zum Auftakt sagte Nunes gestern, kein Zeuge habe Verbrechen oder Vergehen des Präsidenten benannt, die zur Amtsenthebung führen könnten. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Wie der dritte lange Anhörungstag zeigte.

Zeugen Williams und Vindman belasten Trump

Richtig ist, dass die ersten beiden Zeugen vor allem von ihrem Unwohlsein sprachen. Jennifer Williams zum Beispiel, eine Mitarbeiterin von Vizepräsident Mike Pence. Sie fand den Telefonanruf vom 25. Juli ungewöhnlich, weil er sich in Teilen mit offenbar innenpolitischen Angelegenheiten beschäftigte. Williams war dabei, als Präsident Trump am 25. Juli mit Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Ukraine telefonierte und ihn um einen Gefallen bat, ob er gegen Joe Biden und seinen Sohn ermitteln könne. Es gehe um Korruption. Biden, der Demokrat will bei der Wahl gegen Trump antreten.

Alexander Vindman, Ukraine-Experte und Militär, auch er ein Zeuge des Telefonats, wurde deutlicher. Es sei unangemessen für den Präsidenten, Ermittlungen gegen einen politischen Gegner einzufordern. Unangemessen und ungewöhnlich, mehr aber auch nicht. Trump reagierte mit dem Kommentar, er habe Vindman noch nie gesehen.

Doch mit jedem neuen Zeugen wird klarer, welche Akteure aus dem Umfeld des Präsidenten in der Ukraine unterwegs waren. Trumps Anwalt Rudy Giuliani zum Beispiel betrieb eine Art inoffizielle Außenpolitik, die den echten Diplomaten offenbar die Arbeit schwer machte. Er habe dem Präsidenten Verschwörungstheorien eingeflüstert über Joe Biden und die Ukraine. So schilderte es Kurt Volker, der frühere Sondergesandte. Trump habe gesagt, die Ukraine sei ein korruptes Land voller schrecklicher Leute. Sie wollten ihn fertigmachen.

Zeuge Sondland soll der Ukraine Druck gemacht haben

Ein weiterer, wichtiger und durchaus schillernder Akteur betritt heute die Bühne: Gordon Sondland, 62 Jahre alt, ein Hotelbesitzer und Großspender, den Trump zum Botschafter bei der Europäischen Union ernannt hat. Zeugen haben berichtet, es sei Sondland gewesen, der der Ukraine Druck gemacht habe.

Nur wenn sie gegen Biden ermittele, werde die versprochene Militärhilfe überwiesen. Zeugen haben auch gehört, wie Sondland mit dem Präsidenten über dieses Thema telefoniert hat. Er habe einen guten Draht zum Präsidenten, soll sich Sondland gebrüstet haben. Heute, unter Eid, könnte er dem Verfahren eine neue Richtung geben.

Impeachment Weiter auf der Suche nach der Wahrheit
Katrin Brand, WDR Washington
08:04:00 Uhr, 20.11.2019

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 20. November 2019 um 07:05 Uhr und 08:06 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2019, 05:59:45