Ein Umzug mit Gefechtsständen

Gepostet am 10.06.2017 um 10:54 Uhr

Die Bundeswehr will mit rund 260 Soldaten vom türkischen Standort Incirlik ins jordanische Al Asrak umziehen. Eine logistische Mammutaufgabe. Außerdem hatten die Deutschen der Türkei schon Millioneninvestitionen versprochen. Was passiert nun damit? Von Matthias Reiche.

Die Bundeswehr will mit rund 260 Soldaten vom türkischen Standort Incirlik ins jordanische Al Asrak umziehen. Eine logistische Mammutaufgabe. Außerdem hatten die Deutschen der Türkei schon Millioneninvestitionen versprochen. Was passiert nun damit?

Von Matthias Reiche, ARD-Hauptstadtstudio

Mindestens zwei Monate bräuchte es, bis die Deutschen wieder voll einsatzfähig sind. Die Luftbetankung könnte bereits nach zwei, drei Wochen funktionieren, doch muss die Anti-IS-Koalition deutlich länger ohne die Aufklärung durch die Bundeswehrtornados auskommen. Grund sei, dass die mobile Kommandozentrale mit der Auswerteanlage für die Aufklärungsbilder in Incirlik abgebaut und am neuen Standort in Jordanien wieder aufgebaut werden muss, erklärt Ministeriumssprecher Oberst Boris Nannt. 

Nach seinen Angaben müssen dafür ungefähr 200 Container umziehen. In ihnen seien viel technisches Gerät, Ersatzteile, Gefechtsstände und auch Bürocontainer. “Wie detailliert die Kosten sein werden, das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht abschätzen, weil sich natürlich auch die Frage stellt: Welche Transportmittel nimmt man? Wie sind die Einsätze? Wie staffeln wir das?”, sagt Nannt.

Von Incirlik nach Jordanien – Was kostet der Bundeswehrumzug?
M. Reiche, ARD Berlin
10:16:00 Uhr, 10.06.2017

Investitionen zugesagt – was nun?

Klar sei aber, dass man alle Kosten für die Verlegung aus dem laufenden Budget des Verteidigungsministeriums zahlen werde. Und dann ist da noch eine andere Baustelle: Die Bundeswehr hatte zuletzt geplant, in Incirlik einen zweistelligen Millionenbetrag beispielsweise in ein Flugfeld für die deutschen Tornado-Aufklärungsjets und Unterkünfte für die Soldaten zu investieren. Was ist nun damit?

Laut Ministeriumssprecher muss sich niemand sorgen, dass die bereits im vergangenen Jahr freigegebenen Investitionsgeldern größere Verluste anfallen könnten. Der Grund: Ankara hatte in dem Fall gezögert. Davon könne Deutschland nun profitieren, sagt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. So habe die türkische Seite bis heute den entscheidenden Vertrag nicht unterschrieben.

Das bedeute, dass die Bundesregierung wohl nur auf den Planungskosten, die sich auf einen “kleinen fünfstelligen Betrag” beliefen, sitzen bleibe. “All die Millionen – wir hatten etwa vor 30 Millionen zu investieren – sind nicht investiert worden”, beschwichtigt von der Leyen. Das sei bei all den Schwierigkeiten ein guter Punkt, “denn wir werden natürlich auch in Jordanien investieren müssen.”

Jordaniens Vorteile

Geprüft hatte die Bundeswehr eine Reihe von Standorten, darunter auch in Zypern und Kuwait. Für Jordanien aber spricht, dass es – wie die Türkei – ebenfalls direkt an das Operationsgebiet in Syrien grenzt, was vergleichsweise kurze Wege bedeutet. Dazu kommt, dass auf der jordanischen Luftwaffenbasis neben den jordanischen Streitkräften auch US-Amerikaner, zeitweise auch Belgier und Niederländer stationiert sind, deren Logistik man in einer Übergangszeit nutzen kann.

Jordanien sei eine gute Wahl, sagt die Bundesverteidigungsministerin: “Wir haben langjährige gute Beziehungen zu Jordanien. Unsere Soldaten trainieren seit Jahren in Jordanien. Umgekehrt gibt es jordanische Soldaten, die bei uns auch trainieren. Also da sind stabile langjährige Beziehungen da, bilateral.” Zudem sei das Land auch international ein hoch geschätzter Partner in der Region und “gewissermaßen die Brücke auch in dieser Region, ein sehr wichtiger Ankerpunkt”.

Der König hat den Deutschen auch bereits demonstrativ seine Unterstützung sowie die Gastfreundschaft des gesamten Landes zugesichert. Und zumindest was das Besuchsrecht von Bundestagsabgeordneten betrifft, wird es in Jordanien wohl keine Probleme geben.

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2017, 00:59:59