Der neue alte SPD-General übernimmt

Gepostet am 02.06.2017 um 05:08 Uhr

Der neue SPD-Generalsekretär Heil muss künftig vor allem eins: Die Schnitzer seiner Partei ausbügeln. Als Wahlkampfmanager will er aber auch persönlich etwas wiedergutmachen: 2009 war er für das schlechteste SPD-Ergebnis bei einer Bundestagswahl verantwortlich. Von Daniel Pokraka.

Der neue SPD-Generalsekretär Heil muss künftig vor allem eins: Die Schnitzer seiner Partei ausbügeln. Als Wahlkampfmanager will er aber auch persönlich etwas wiedergutmachen: 2009 war er für das schlechteste SPD-Ergebnis bei einer Bundestagswahl verantwortlich.

Von Daniel Pokraka, ARD-Hauptstadtstudio

Wer Hubertus Heil reden hört, hört einen Polit-Profi, einen Mann des geschliffenen Wortes. Druckreif kann man es nennen, wenn man es gut mit ihm meint – schablonenhaft, wenn nicht. “Die SPD hat einen hervorragenden Kanzlerkandidaten und ein ordentliches Programm: Wir müssen jetzt dafür kämpfen, dass aus diesem Programm und hervorragenden Kandidaten eben auch gute Wahlergebnisse werden”, erklärte er jüngst.

Das hört sich souveräner und glatter, aber eben auch kühler und distanzierter an, als man es in letzter Zeit in der SPD-Zentrale gewohnt war. Die bisherige Generalsekretärin Katarina Barley pflegt eine eher lockere Umgangssprache, was Vor- und Nachteile hat, und sie ist erkennbar stolz darauf, ein Leben vor der Politik gehabt, und dann als Seiteneinsteigerin schnell Karriere gemacht zu haben.

Klassische SPD-Karriere

Heil ist ein komplett anderer Typ. Mit 16 Jahren: Eintritt in die SPD. Mit nicht einmal 26: Bundestagsabgeordneter. Studium der Politikwissenschaft, Mitglied in der IG Metall und der Arbeiterwohlfahrt. Eine inzwischen klassische SPD-Karriere. 2005, nach dem Ende der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder, wird er mit nur 33 Jahren Generalsekretär – und hält immerhin eine Legislaturperiode lang durch.

Als Parteichef Martin Schulz jetzt in Windeseile einen neuen Generalsekretär brauchte, kam der erfahrene Heil zum Zuge. Einer, so Schulz, “der also unmittelbar ohne weitere Vorbereitung in die Organisation einsteigen kann”. Heil stehe für “Innovation, wirtschaftlichen Fortschritt und Zukunftsorientierung”. Er ist innerhalb der SPD also kein Linker, kein Umverteiler, sondern wie Schulz eher auf der rechten Seite zuhause.

Der Vorteil: Heil passt inhaltlich zum Parteichef. Der Nachteil: Das Wahlkampf-Schlagwort Gerechtigkeit werden vor allem andere Genossen verkörpern müssen. Heils Aufgabe im Willy-Brandt-Haus wird es sein, Schnitzer zu vermeiden, wie das Hin und Her um die Präsentation des vorläufigen Wahlprogramms und vor allem die wochenlange inhaltliche Leere des Kanzlerkandidaten Schulz.

Heil muss schlechtestes SPD-Ergebnis verantworten

Und Heil muss neuen Optimismus verbreiten: “Das Rennen wird spannend, die Wahl ist offen!” Offen hat Heil auch noch eine Rechnung: Als Generalsekretär war er 2009 für den Wahlkampf des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier mitverantwortlich – und damit auch für das historisch schlechteste SPD-Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Vorausgegangen waren vier Jahre mit drei Parteichefs – Platzeck, Beck und Müntefering. “Es waren andere Zeiten großer innerparteilicher Auseinandersetzung”, so Heil.

Das sei jetzt anders, “die SPD hat eine klare Nummer Eins mit Martin Schulz und einen großen programmatischen Vorrat für die Zukunft unseres Landes.” Das müsse man im Wahlkampf deutlich machen. Und zur Ehrenrettung von Heil sei gesagt: Beim Wahl-Desaster 2009 war er zwar Generalsekretär – aber der starke Mann im Wahlkampf war der Müntefering-Vertraute Kajo Wasserhövel. Offen ist, ob Heil diesmal mehr zu sagen hat.

Zuletzt aktualisiert: 23.06.2017, 10:34:08