Hilft die CO2-Steuer? Ein Pro & Contra

Gepostet am 08.05.2019 um 11:58 Uhr

Bekommen Produkte und Dienstleistung durch eine CO2-Steuer einen ehrlicheren Preis? Oder gibt es schon eine Rette-die-Welt-Steuer? Daniel Pokraka und Daniel Betz sind sich über den richtigen Weg uneins.

Pro von Daniel Pokraka

CO2 schadet dem Klima. CO2 muss deshalb eingespart werden. Und wie macht man das in einer Marktwirtschaft? Man macht den Ausstoß von CO2 teurer. Das nennt man Verursacherprinzip – und ich weiß eigentlich nicht, warum man darüber noch diskutieren muss. Mit der CO2-Steuer bekommen Produkte und Dienstleistungen einen ehrlicheren Preis. Der sich stärker als bisher danach richtet, wie sich das Produkt oder die Dienstleistung auf Umwelt und Klima auswirkt.

Die Einwände gegen eine CO2-Steuer kenne ich. Die armen Pendler, die aufs Auto angewiesen sind! Die Geringverdiener, für die der Flug nach Mallorca teurer wird! Meist kommen diese Bedenken von Wirtschaftspolitikern und Industrielobbyisten. Und wenn diese Leute plötzlich ihr Herz für Pendler und Geringverdiener entdecken, ist Vorsicht geboten. Dann entlastet halt Geringverdiener! Erhöht die Steuern auf Erbschaften und Vermögen, senkt die Steuern auf Einkommen aus Arbeit und auf Produkte des täglichen Gebrauchs. Und: Bietet Pendlern Alternativen! Baut Park-and-ride-Plätze außerhalb der Städte – und bessere S-Bahn-Verbindungen in die Städte. Steckt Geld in Busse und Bahnen, baut Radwege. Ja, auch das Auto wird weiterhin gebraucht. Aber seltener und sparsamer. Freie Fahrt für freie Bürger, mit viel PS und möglichst billig? Die Zeiten sind vorbei. Also: Her mit der CO2-Steuer!

 

Contra von Tobias Betz

Eine CO2-Steuer ist überflüssig. Die Idee ist natürlich simpel und deshalb ziemlich verführerisch: Steuer drauf auf alles, was die Luft verpestet! Dann wird’s teurer und wir suchen günstigere – im besten Fall: umweltfreundlichere – Alternativen. Das Rad statt dem Auto, Bahn statt Flugzeug.

Das ist Augenwischerei. Denn es gibt ja schon so eine Rette-die-Umwelt-Steuer. Die Ökosteuer! Sie wissen schon! Doch was ist seitdem denn passiert? Der Verkehr ist Klimakiller Nummer eins in Deutschland. 1990 war der CO2-Ausstoß auf den Straßen noch deutlich geringer als heute, obwohl der Sprit teurer geworden ist. Gevatter Staat verdient prächtig an der Ökosteuer – der Umwelt hat sie nichts gebracht.

Wie soll eine CO2-Steuer das nun besser machen?

Es gibt klügere Lösungen: Im Energiesektor sinken die Emissionen seit vielen Jahren schon. Dort funktioniert der Emissionshandel als CO2-Deckel. Der Verkehr muss Teil dieses Emissionshandels werden. Autohersteller oder Raffinerien müssten dann Zertifikate kaufen, um CO2 auszustoßen. Dadurch haben die Unternehmen dann den Anreiz, CO2 zu sparen. Das heißt: nicht der Verbraucher wird per Steuer bestraft, weil er sich mal eben kein neues schickes E-Auto leisten kann. Sondern die Konzerne bauen zum Beispiel weniger dicke Geländewagen – die wahren Dreckschleudern im Verkehr. Weniger CO2 zu verbrauchen, wird dann zu einem rentablen Geschäftsmodell. Könnte sich durchsetzen.

Zuletzt aktualisiert: 23.05.2019, 07:04:23