Podiumsdiskussion mit Finanzministern aus Afrika im Rahmen der G20-Afrikakonferenz in Berlin. Quelle: imago /Florian Gaertner

Heute der Afrika-Gipfel, Ergebnisse erst in fünf bis zehn Jahren

Gepostet am 13.06.2017 um 19:00 Uhr

Nach zwei Tagen Gesprächen zu „Compact with Africa“ in Berlin wird deutlich: Eine große Herausforderung bleibt das Finanzsystem. Ein Kommentar von Tom Schneider.

Die Veranstaltung hat etwas von Stuhlkreis, Uni-Seminar und Klassenzimmer: Ein bisschen wie Examens-Kandidaten sitzen sie da, die Finanz- und Entwicklungsminister mehrerer afrikanischer Staaten. Jeder ein kleines Dossier in der Hand werden sie gleich erzählen müssen über ihr Land und die vielen guten Gründe, ausgerechnet bei ihnen zu investieren. Hier im Audimax eines Berliner Veranstaltungsgeländes soll er starten, der „Compact with Africa“.

Geld spielt keine Rolle – ach wirklich?
Es sei genug Geld auf der Welt vorhanden, um in Afrika die Wirtschaft in Gang zu bringen, es müsse nur seinen Weg finden. Die Grundthese, die die deutsche G20-Präsidentschaft ausgegeben hat klingt wie: Nichts leichter als das, packen wir es an.

Bemerkenswert: Vertreter des weltweiten Großkapitals sind durchaus zahlreich der Einladung nach Berlin gefolgt. Jetzt sitzen sie den afrikanischen Ministern gegenüber, arbeiten für klingende Namen wie Siemens, GE, Airbus, Allianz, Tata, Telefonica. Auch die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates hat einen Vertreter geschickt.
Sie lauschen einem ganzen Strauß von Kurzvorträgen, etwa von Claver Gatete, Finanzminister von Ruanda, der davon schwärmt wie stabil und korruptionsfrei sein Land sei. Auch sein Kollege Amadou Ba aus dem Senegal ist begeistert von den Wirtschaftsreformen, die sein Land gerade umsetze. Und Äthiopiens Wirtschaftsminister Abraham Tekeste wirbt: „Unsere Volkswirtschaft hat sich in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt.“

Manch privater Wirtschaftsvertreter schaut da etwas betreten: Große Unternehmen wie Siemens, Bosch oder auch der Versicherer Allianz sind schon seit langem in afrikanischen Ländern aktiv und kennen die Herausforderungen. Ein Vertreter des amerikanischen Finanzinvestors Bernstein Capital weist auf die drei Grundpfeiler seiner Branche, an denen es in afrikanischen Ländern noch zu oft mangelt: eine unabhängige Zentralbank, langfristige politische Stabilität sowie die Möglichkeit, Risiken abzusichern.

Unterentwickelter Finanzsektor
Deutlich wird in den zwei Tagen in Berlin: Es sind vor allem Instrumente des Finanzsektors, die in afrikanischen Ländern fehlen: Wer investieren will, der tut dies nur selten in barer Münze. Hohe Summen vorschießen bei kalkulierbarem Risiko für den Investor, das scheint die hohe Hürde, vor allem für die Länder südlich der Sahara. Bundesbankpräsident Jens Weidmann rief die Staatslenker zum Aufbau funktionierender Märkte für Anleihen auf – als Basis für ein vertrauenswürdiges Finanzsystem, das sich rechnet.

Kritik kam in Berlin von Nichtregierungsorganisationen: „Wir dürfen es nicht in die Obhut von Privatunternehmen geben, wie sich unsere Länder entwickeln“, mahnt Siphokazi Mthati von Oxfam. Die Länder müssten selbst festlegen, wohin sie sich entwickeln wollten und wie vor allem die Ärmsten der Armen etwas davon haben sollen. Der deutsche Finanzminister sieht hier keinen Widerspruch. Investitionen machen nur Sinn, wenn sie sich rentieren, das gilt auch für öffentliche Investitionen“, meint Wolfgang Schäuble. Zu lang sei bei der klassischen Entwicklungszusammenarbeit Geld in dunkle Kanäle versickert und habe sich am Ende auf Bankkonten in Genf gesammelt, sagt der Finanzminister, der für die Bundesregierung die Compact-Idee maßgeblich ausgearbeitet hat. Hier müssten die Länder ernsthafte Reformen auf den Weg bringen.

Und die Minister-trifft-Investoren-Runde im Stuhlkreis? Die nehmen Teilnehmer wohl vor allem als einen Anstoß für langfristigere Kontakte wahr. Jürgen Heraeus, deutscher Edelmetall-Veteran und Leiter des G20-Business-Ablegers B20 macht sich keine Illusionen: „Was hier angestoßen wird , trägt bestenfalls in fünf bis zehn Jahren Früchte“, meint der 81jährige Industriekapitän, dessen Haus mit Ausnahme von Südafrika übrigens kein Afrika-Geschäft betreibt. Der Grund? „Zu viel Korruption und Rohstoffförderung ohne jede Sozialstandards“, sagt er ernst und zieht von dannen.

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2017, 15:26:54