Helge Braun: „Wir stehen vor exzeptionellen Herausforderungen“

Gepostet am 19.03.2020 um 18:57 Uhr

Der Chef des Bundeskanzleramtes setzt große Hoffnungen in den anstehenden #WirvsVirusHackathon der Bundesregierung. Bislang haben sich 12.000 Teilnehmer*innen angemeldet – und mehr als 700 Ideen wurden bereits eingereicht.

Die Resonanz ist so groß, dass die Annahme Ideen heute Abend (19.3.) geschlossen wird. Dabei hat der sogenannte Hackathon noch gar nicht angefangen: Start ist der 20. März. Das ARD-Hauptstadtstudio sprach darüber mit dem Schirmherrn des #WirvsVirusHackathon und Kanzleramtsminister Helge Braun.

Bundesregierung an der Spitze der Bewegung 

Justus Kliss: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Hackathon auszurichten?

Helge Braun: Die Initiative ging ja von den Organisationen der digitalen Community, tech4germany und dem Digitalrat und anderen aus. Die sind auf die Bundesregierung zugekommen. Ich hatte selber schon gesehen, dass Estland etwas ganz Ähnliches vor wenigen Tage gemacht hat und fand das gut. Deshalb haben wir uns entschieden, die Organisationen als Bundesregierung zu unterstützen und uns an die Spitze der Bewegung zu setzen.

Justus Kliss: Haben Sie schon einen Überblick, wie viele sich angemeldet haben?

Helge Braun: Die Zahl Homepageaufrufe ist tatsächlich gigantisch hoch. Die Anmeldungen liegen bei 12.000 Teilnehmern.

Justus Kliss: Der Aufruf erhält viel positive Resonanz im Netz – haben Sie das erwartet?

Helge Braun: Wir haben es gehofft und auch ein bisschen erwartet. Ich glaube, es gibt einfach viele Menschen, auch in unserem Land, die sich jetzt angesichts einer so wirklich exzeptionellen Herausforderung vor der wir stehen, überlegen: Was kann man für eine Beitrag leisten? Die klug und technologisch bewandert sind, die brennen, auch darauf die technologische Leistung beizusteuern. Wir haben als Bundesregierung schon in den letzten Tagen immer wieder Einzelanfragen oder Angebote bekommen, was man vielleicht an digitalen Lösungen beisteuern könnte.  Der Hackathon ist jetzt auch die Möglichkeit, das ein bisschen zu systematisieren und die besten Ideen herauszufiltern. Und dann wollen wir uns das als Bundesregierung natürlich genau angucken und alles das, wovon wir überzeugt, sind das es hilft, dann auch in der Umsetzung begleiten.

Justus Kliss: Wann werden die Ergebnisse präsentiert?

Helge Braun: Das ist ja jetzt alles recht kurzfristig, der Hackathon findet vom 20.3. – 22.3. statt. Anschließend brauchen wir vielleicht noch ganz kurze Zeit, um die Ergebnisse aufzubereiten und dann werden wir sie in den Folgetagen auch direkt präsentieren.

Zeit zuhause sinnvoll nutzen 

Justus Kliss: Sozialkontakt sollen ja derzeit vermieden werden. Inwieweit ist der Hackathon da ein gutes Vorbild? Normalerweise kommen zu solchen Veranstaltungen ja viele Menschen in bestimmen Räumen zusammen.

Helge Braun: Wir sehen auch die Chance, dass Leute, die jetzt zu Hause bleiben und die Kompetenzen im Digitalbereich haben, diese einbringen können und die Bundesregierung in digitalen Fragen unterstützen – eben ohne dass es dadurch notwendigerweise wieder zu Kontakten kommt, die wir vermeiden müssen.  Damit ist die Zeit zuhause dann sehr sehr sinnvoll eingesetzt  und insofern ist das, glaube ich, eine Win-win-Situation für alle.

Braun erwartet digitalen Schub bei Heimarbeit

Justus Kliss: Wird sich die Arbeitswelt nach Corona so nachhaltig ändern, dass es ein Zurück zu einer alten Struktur danach nicht mehr geben wird?

Helge Braun: Diese Corona-Krise wird uns sehr viel Unangenehmes abverlangen. Für die Wirtschaft, auch für die Belastung im Gesundheitswesen. Wenn man ihr irgendetwas Positives abgewinnen kann, dann glaube ich, kann es in der Tat zum Beispiel bei der Frage sein, wie wir uns in Heimarbeit organisieren. Gerade bei Büroarbeitsplätzen, die sehr stark digital sind, ist es nicht doch gut, wenn man viele Dienstleistungen digital in Anspruch nehmen kann, eben auf eine Vorstelligkeit bei einer Behörde verzichtet? Da gibt es jetzt sicherlich einen Schub, weil viele sagen: Wir brauchen da, wo wir noch nicht digital sind jetzt, jedenfalls kurzfristig eine Behelfslösung. Und vielleicht wird aus manchem Behelf dann auch eine gute Dauerlösung. Ich kann jedenfalls sagen, dass ich seitdem ich Kanzleramtsminister bin, auch für mobiles Arbeiten im Kanzleramt gekämpft habe. Jetzt haben wir mit einem Schub so viele Leute wirklich auch in Heimarbeit bringen können. Das sind Dinge und  – da bin ich jedenfalls überzeugt – gehen wir hinterher nicht mehr zum vorherigen Status über, sondern lernen daraus und machen Dinge möglich, die wirklich sinnvoll sind und im Interesse der Menschen.

Justus Kliss: Was haben Sie persönlich vom mobilen Arbeiten für sich gelernt?

Helge Braun: Ich bin immer wieder fasziniert, wenn man die ganze Kompetenz in unserem Land in Wettbewerben wie dem Hackathon einfach mal auffordert, Ideen zusammenzubringen. Mancher denkt, das kann man sich auch selbst überlegen, aber ich bin immer wieder überrascht, wie viel Kompetenz sich zusammenfügt. Deshalb bin ich auf die Ergebnisse wahnsinnig gespannt, dabei kommt sicherlich viel heraus, was wir in den nächsten Wochen auch nutzen können, um unser Leben in einer schwierigen Phase einfach besser zu machen. Bei allen Sorgen, die wir momentan haben, bin ich in freudiger Erwartung auf die Ergebnisse.

Justus Kliss: Vielen Dank für das Gespräch.

Zuletzt aktualisiert: 13.08.2020, 10:49:17