Hartz IV: Mehr Gerechtigkeit durch höhere Löhne, nicht Regelsätze

Gepostet am 12.04.2018 um 14:42 Uhr

Höhere Regelsätze, weniger Sanktionen? Die aktuelle Debatte um Hartz IV geht am Thema vorbei, kommentiert Jens Wiening. Zunächst einmal sollten Menschen im Niedriglohnsektor mehr Geld bekommen.

Wer mehr Gerechtigkeit will, sollte nicht die Hartz-IV-Sätze erhöhen. Sondern die Löhne für die vielen Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Ob im Wachdienst, in Friseurläden oder in der Gastronomie. Wer mit vielleicht 1200 Euro netto im Monat nach Hause geht, die Wohnung bezahlen muss, Versicherungen, Internet und Telefon, der hat nach Abzug der Kosten kaum mehr Geld übrig als Hartz-IV-Empfänger mit Regelsätzen.

Hartz IV Empfänger hätten kaum soziale Teilhabe, so die Kritik aus dem linken Lager. Ja, das mag sein. Viele Arbeitnehmer mit niedrigen Löhnen haben die aber auch nicht, Urlaubsreisen oder Theaterbesuche sind da genauso wenig drin.

Mit einem Unterschied. Jeden Morgen klingelt der Wecker, jeden Tag acht Stunden keulen, teils Früh-, teils Spät-, teils Nachtschichten. Aber mal ehrlich: Wer will schon früh aufstehen und jeden Tag zur Arbeit gehen, wenn am Ende des Monats nicht mehr Geld in der Tasche ist – dafür aber der tägliche Stress in teils ruppigen und ungemütlichen Arbeitssituationen hinzukommt.

Die wahre Ungerechtigkeit

Dann lieber vielleicht nebenbei noch einen Tag die Woche ein bisschen was schwarz dazuverdienen. Die Wohnung zahlt das Amt. Dann geht es so einigen Hartz IV Empfängern finanziell besser als vielen Beschäftigten mit niedrigen Löhnen. Mal ganz abgesehen davon, dass die auch kaum Rentenansprüche erwerben.

40 Jahre gearbeitet  – dass reicht vielleicht gerade mal für ein Rentenniveau auf Höhe der Grundsicherung. Wenn überhaupt.
Das ist die wahre Ungerechtigkeit. Wer das Leben von Menschen verbessern und mehr soziale Teilhabe ermöglichen will, sollte sich erst mal um die kümmern, die jeden Tag arbeiten gehen.

Zuletzt aktualisiert: 19.09.2018, 03:44:24