Habemus Regierung! Abgeschirmte Orte für GroKo-Verhandler

Gepostet am 20.12.2017 um 18:01 Uhr

Ob nun Vor-Sondierungen oder Koalitionsverhandlungen – sollte nicht erst etwas gemeldet werden, wenn es etwas zu vermelden gibt? Marie Mallinckrodt hat nach abgelegenen Orten für die GroKo-Verhandler gesucht.

Heute gab es Vor-Sondierungen, Anfang Januar dann wieder Sondierungen, so eine Art Vor-Vor-Koalitionsverhandlung, dann gibt es vermutlich Vor-Koalitionsverhandlungen … “ottos mops trotzt, otto: fort mops fort, ottos mops hopst fort: otto soso …” – unweigerlich kommt einem Ernst Jandl in den Sinn, sinnlose Aneinanderreihungen von Worten oder eben auch Treffen.

Deren Sinnhaftigkeit erschließt sich in der konkreten Poesie der letzten Wochen nicht zwangsläufig, daher sei den Teilnehmern dieser Runden dringend geraten: Ab an einen geheimen, abgeschotteten Ort und erst wieder melden, wenn es etwas zu vermelden gibt: Habemus Regierung, zumindest eine Aussicht.

Nicht weit von Berlin gelegen ist Heiligendamm, das kann man weiträumig absperren. Vielleicht sind ja noch ein paar Zäune vom G8-Gipfel 2008 übrig. Da kommt dann wirklich kein Journalist mehr ran und im Zweifel auch kein Politiker mehr raus. Handys und andere elektronische Geräte müssen am Strand im Sand verbuddelt werden. Wenn sie fertig ist, kann sich die frisch gekürte GroKo-Truppe dann in den G8-Strandkorb für Fotos und Interviews setzen. Die Akkreditierungen für Journalisten sollten dann allerdings sauber ablaufen.

In Bayern laufen die Dinge bekanntlich besser

In Bayern laufen die Dinge ja bekanntlich besser als in allen anderen Bundesländern. Es gibt sogar eine Taskforce Netzausbau. Daher ist sicherlich der Empfang selbst im Kloster Herrenchiemsee hervorragend, aber auch hier gibt es Möglichkeiten, sein Handy abzugeben, irgendwo gibt es vielleicht noch aus der kirchlich aktiven Zeit ein Tabernakel.

Damals, als die Verfassungsväter 1948 in diesem ehemaligen Kloster auf einer Insel des Chiemsees in Bayern tagten, gab es offenbar nur zwei Telefonanschlüsse. Es entstand die Basis für das wunderbare Grundgesetz. Wieso sollte hier nicht auch die Basis für eine wie auch immer geartete, vorübergehende Regierungsperiode entstehen können?

Der Papst übernimmt

Die Aura für größere, bedeutende Projekte hat dieser Ort offenbar. Wenn auch das nicht taugt, dann gibt es immer noch zwei Möglichkeiten: Bundespräsident Steinmeier hat ja nun die Gewählten ihrem eigenen Schicksal überlassen, nach ihm könnte noch der Papst übernehmen und die mit einer Regierungsbildung Beauftragten in seine heiligen Gemäuer einladen, am besten gleich in die Sixtinische Kapelle.

Dort müssten sie dann nämlich einen Eid auf Geheimhaltung, wie beim Konklave, der Papstwahl, üblich, ablegen. Klarer Vorteil: Es gibt Gelegenheit, zwischendurch Beichte abzulegen, das fördert den versöhnlichen Charakter der Veranstaltung. Nachteil: Der Ort regt offenbar zu Langmut an; die längste Papstwahl dauerte drei Jahre.

Die Möglichkeit der Irreführung

Vielleicht alles ein bisschen weit gegriffen, vor allem geographisch betrachtet. Bliebe man in Berlin, gibt es noch die Möglichkeit der Irreführung. Damit wir Journalisten auch einem eventuellen Tagungsort in der Hauptstadt fernbleiben, müsste Andrea Nahles einfach den besonders heißen Tipp geben, man tage in ihrem ehemaligen Ministerium.

In Wahrheit sind dann aber alle bei Peter Altmaier kochen. Nur wohin dann mit den Handys? Dann geht das wieder los mit den Meldungen, die Fortschritte mimen und keine sind, und die Frage nach Sinnhaftigkeit wird weiter gestellt … und “otto holt obst, otto horcht, otto: mops mops, otto hofft.” Auch wir hoffen, dass das Ganze vorangeht.

Zuletzt aktualisiert: 24.01.2018, 10:54:24