Unbequeme Themen, genervte Delegierte

Gepostet am 13.11.2016 um 14:43 Uhr

Vermögenssteuer, Ehegattensplitting und das Verhältnis zu Autoindustrie: Drei Tage haben die Grünen um ihre Zukunft gerungen – die Weltpolitik blieb allerdings außen vor. Am Ende des Parteitags sorgte Daimler-Chef Zetsche noch einmal für Unruhe. Von A. Ulrich.

Vermögenssteuer, Ehegattensplitting und das Verhältnis zu Autoindustrie: Drei Tage haben die Grünen um ihre Zukunft gerungen – die Weltpolitik blieb allerdings außen vor. Am Ende des Parteitags sorgte Daimler-Chef Zetsche noch einmal für Unruhe.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Am Ende des Parteitags wird es nochmal laut: Dieter Zetsche steht vor den Delegierten. Der schnurrbärtige Chef von Daimler. Pfiffe im Publikum, Protest-Schilder und Seifenblasen. Zetsche lächelt und spießt den Streit um seine Einladung zu den Grünen auf: Man habe ein gemeinsames Ziel, versucht der Daimler-Chef den Delegierten klarzumachen, und verweist auf Forderungen der Grünen zur Verkehrswende.

Begeisterung ruft Zetsche nicht hervor, aber der Saal lauscht bei der anschließenden Debatte mit Umweltverbänden. Parteichef Cem Özdemir hatte zuvor nochmal aufgerüttelt, und mehr Selbstbewusstsein seiner Partei gefordert.

Und was ist mit Trump?

„Wir bleiben unbequem“ war das Motto dieses Grünen-Parteitages. Und einerseits haben die Grünen genau das gemacht – unbequeme Themen haarklein diskutiert. Die heiß umkämpfte Vermögenssteuer zum Beispiel, die jetzt als Forderung im Parteiprogramm verankert ist. Aber andererseits nervt viele, wie den 15-jährigen Leopold Aschenbrenner aus Berlin, dass „das am richtigen Thema vorbei geht“.

Und dieses richtige Thema, das wäre für viele Delegierte gewesen: Donald Trump. Wie begegnen die Grünen den neuen Herausforderungen durch Trumps Wahl in den USA? Der zunehmenden Entfremdung, dem Rechtspopulismus?

„Ich hätte mir gewünscht, dass Trump eine explizitere Rolle spielt. Ein einfaches Weiter so dürfen wir uns nicht erlauben“, meint Franziska Brantner. Und der Bundestagsabgeordneten der Grünen ist auch etwas anderes aufgefallen: Es waren die Männer, vor allem die alten Männer, die diesen Parteitag gerockt haben: Kampf zwischen Winfried Kretschmann und Jürgen Trittin das sind die älteren Herren, aber ich hoffe, dass dieser Kampf nun beigelegt ist, und dass wir in die Zukunft schauen können.

Kein Schaulaufen

Die Zukunft, die wird für die Grünen erstmal heißen: Wer wird das Spitzenduo der Partei für die Bundestagswahl? Das Schaulaufen der vier Kandidaten, das Urwahlforum, ist beim Parteitag zwar ausgefallen. Einer des Quartetts, Robert Habeck aus Schleswig-Holstein, war beim Anti-Vogelgrippe-Einsatz gefragt. Aber das Wettrennen zwischen ihm und den Kontrahenten Anton Hofreiter und Özdemir ist nicht gebremst, nur vertagt.

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2019, 10:18:04