Grün gewinnt und zwei verlieren

Gepostet am 24.10.2016 um 16:17 Uhr

In Hannover treten bei der Urwahl zum Spitzenkandidaten der Grünen heute Cem Özdemir, Anton Hofreiter und Robert Habeck gegeneinander an. Klar ist schon jetzt: Die Wahl wird vor allem Verlierer produzieren, analysiert Matthias Deiß.

Bitter wäre eine Niederlage vor allem für Parteichef Özdemir. 2012, bei der ersten Urwahl, hatte er sich gegen Jürgen Trittin kaum Chancen ausgerechnet und gekniffen. So jedenfalls sehen es viele Parteikollegen.

Diesmal ist seine Position gestärkt, Özdemir ist zur Zeit der bekannteste und wohl auch profilierteste Grüne. Doch ein Parteivorsitzender, der bei der Basis durchfällt, wäre kein starker Parteivorsitzender mehr und einer ohne Anspruch auf einen Ministerposten bei einer möglichen Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl.

Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer der Grünen, erklärt die Urwahl:

Auch Robert Habeck riskiert mit seiner Kandidatur viel. Der stellvertretende Ministerpräsident von Schleswig-Holstein geht nach eigenen Worten „all in“ und hat eine Rückkehr in die Landespolitik ausgeschlossen.

Wie die Basis am Ende entscheidet, gilt als schwer vorhersagbar, denn ein Großteil der Parteimitglieder tritt außerhalb der Urwahl nicht in Erscheinung. Vor Beginn der Urwahl verzeichnet der Bundesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen einen spürbaren Mitgliederzuwachs, rund 900 Mitglieder mehr als zu Beginn des Jahres.

Nur eine halbe Urwahl

„Das zeigt: Diese Urwahl mobilisiert nach innen und sie mobilisiert nach außen“, so Kellner gegenüber tagesschau.de. „Die Grünen sind die einzige Partei, bei der alle Mitglieder mitentscheiden können, und ich bin mir auch sicher, davon werden sie auch rege Gebrauch machen.“

Egal, wie das Ergebnis am Ende ausgeht, eins ist jetzt schon sicher: Katrin Göring-Eckardt ist für den Posten der weiblichen Spitzenkandidatin gesetzt. Die Fraktionsvorsitzende stellt sich zwar dem Urwahlverfahren und damit dem Votum der Basis, allerdings ohne Gegenkandidatin.

Weil die Parteibasis damit nur über einen von zwei Spitzenkandidaten entscheiden kann, ist die Urwahl in Wahrheit nur eine halbe.

Insgesamt zehn Urwahlforen

Nach dem Auftakt in Hannover touren die Spitzenkandidaten durch ganz Deutschland. Insgesamt finden bundesweit zehn Urwahlforen statt.

Anfang Dezember erhalten die Parteimitglieder dann ihre Briefwahlunterlagen. Gewählt werden kann bis zum 13. Januar 2017, in der dritten Januarwoche wollen die Grünen dann verkünden, wer gewinnt und wer verliert.

Zuletzt aktualisiert: 17.10.2018, 15:45:51