Ein Dienst, der sich lohnen soll

Gepostet am 03.12.2018 um 16:23 Uhr

Mehr Geld und ein Zertifikat, mit dem Jugendliche leichter einen Ausbildungsplatz erhalten sollen – so will Familienministerin Giffey die Freiwilligendienste für junge Leute attraktiver machen. Von Matthias Reiche.

Mehr Geld und ein Zertifikat, mit dem Jugendliche leichter einen Ausbildungsplatz erhalten sollen – so will Familienministerin Giffey die Freiwilligendienste für junge Leute attraktiver machen.

Von Matthias Reiche, ARD-Hauptstadtstudio

Rund 800.000 junge Menschen verlassen jedes Jahr die allgemeinbildenden Schulen. Viele dieser Jugendlichen würden gern ein Freiwilligenjahr absolvieren, so Familienministerin Franziska Giffey. Aber es scheitere allzu oft am Geld. Das wisse sie aus vielen Gesprächen, sagte die SPD-Politikerin bei der Vorstellung ihres Konzeptes für das künftige Jugendfreiwilligenjahr.

“Kann ich es mir überhaupt leisten, ein Freiwilliges Jahr zu machen? Bekomme ich Unterstützung von meinen Eltern?” Das seien die Fragen, die sich junge Leute stellen würden, sagte Giffey. Viele Eltern würden ihren Kindern eher empfehlen, eine Ausbildung zu machen und Geld zu verdienen.

Freiwilligengeld in Höhe von 402 Euro

Mehr Geld für die jungen Leute ist deshalb ein zentraler Punkt in dem neuen Konzept. Alle Teilnehmer sollen ein sogenanntes Freiwilligengeld in Höhe von 402 Euro bekommen. Dazu sollen die Sozialversicherungsbeiträge und ein Zuschuss von 25 Euro für ein Zeitfahrticket im öffentlichen Nahverkehr gezahlt werden.

Jeder Teilnehmer, der unter 27 Jahre alt ist, solle einen Rechtsanspruch auf diese Förderung bekommen. Gleichzeitig soll auch für behinderte Jugendliche der Zugang zum Freiwilligendienst deutlich erleichtert werden, so die Familienministerin. Bei den Themen Barrierefreiheit und Teilzeitmöglichkeit sei die Konzeption schon am weitesten. “Wir haben eine entsprechende Gesetzesänderung im Entwurf eingebracht. Und da geht es eben darum, dass wir auch für unter 27-Jährige den Freiwilligendienst in Teilzeit ermöglichen wollen. Das ist bisher nur für über 27-Jährige möglich”, sagte Giffey.

Offizielles Zertifikat als Wettbewerbsvorteil

Als besondere Anerkennung sollen alle Teilnehmer am Ende ihres Dienstes ein offizielles Jugendfreiwilligenjahr-Zertifikat erhalten. Geht es nach Familienministerin Giffey, könnte dieses Papier seinem Besitzer einen Wettbewerbsvorteil beispielsweise bei Auswahlentscheidungen für Ausbildungsplätze bringen.

“Dieses Zertifikat soll den Zweck haben, dass es Berücksichtigung findet bei der Frage, bewirbt sich jemand für einen Job, bewirbt sich jemand für einen Studiengang”, so Giffey. Es solle Bonusregelungen geben – zum Beispiel bei Wartesemestern für Studiengänge mit Numerus Clausus. “In anderen Ländern ist das gang und gäbe.” Wenn jemand einen Nachweis über soziale Arbeit erbringe, finde das eine besondere Berücksichtigung.

Investition in das Gemeinwohl

In der Wirtschaft und an den Hochschulen wird die Bundesfamilienministerin noch Überzeugungsarbeit leisten müssen. Und darüber hinaus gibt es noch weitere Unbekannte. So hat Giffey sicher recht, wenn sie sagt, dass das Jugendfreiwilligenjahr als Investition in das Gemeinwohl mehr wert sei, als es koste. Doch muss der Bundesfinanzminister die schätzungsweise eine Milliarde Euro, die dafür vorgesehen sind, erst noch freigeben.

Außerdem braucht das Konzept auch die Zustimmung des Koalitionspartners, wobei viele Unionspolitiker eher die Idee eines allgemeinen Dienstpflichtjahres favorisieren.

Familienministerin Giffey mit Konzept für Jugendfreiwilligendienst
Matthias Reiche, ARD Berlin
15:04:00 Uhr, 03.12.2018

Über dieses Thema berichteten am 03. Dezember 2018 die tagesschau um 14:00 Uhr sowie um 17:00 Uhr und MDR aktuell um 16:22 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2018, 18:54:29