Schüler unter Druck

Gepostet am 01.09.2017 um 15:30 Uhr

Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafprobleme – fast jeder zweite Schüler leidet einer neuen DAK-Studie zufolge unter Stress, Mädchen noch mehr als Jungs. Die Gründe sind vielfältig: hoher Leistungsdruck, schlechte Noten oder schlechtes Essen. Von Martin Mair.

Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafprobleme – fast jeder zweite Schüler leidet einer neuen DAK-Studie zufolge unter Stress, Mädchen noch mehr als Jungs. Die Gründe sind vielfältig: hoher Leistungsdruck, schlechte Noten oder schlechtes Essen.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Asper ist kein Mann, der sich allzu schnell aus der Ruhe bringen lässt. Der Direktor eines Dresdner Gymnasiums hat täglich mit Stress und Druck zu tun. Im eigenen Job, aber zunehmend auch bei seinen Schülern. Ganz ohne gehe es nicht, sagt Asper: “Lernen darf und soll auch Spaß machen, aber es ist immer auch mit Anstrengung verbunden”.

Doch viele Schüler empfinden das Lernen als zu stressig. Jeder zweite sagt in einer großen Umfrage der DAK, dass die Belastung zu groß sei. Wissenschaftler Reiner Hanewinkel hat die Schüler nach ihrem eigenen Stressgefühl gefragt. Das bedeute nicht automatisch auch Stress im medizinischen Sinne, so der Wissenschaftler. Aber es gebe einen Zusammenhang zwischen gefühltem Druck und somatischen Beschwerden, sprich Krankheiten.

Auch Digitalisierung sorgt für Stress

Der zeigt sich vor allem bei Kopfschmerzen, Rückenleiden und Schlafproblemen – gestresste Schüler sind bis zu dreimal häufiger davon betroffen, als entspannte. Und die Studie zeigt: Mädchen leiden stärker als Jungs. Warum, können die Forscher nicht abschließend erklären. Und auch, weshalb sich Schüler zunehmend gestresst finden, kann Hanewinkel nur vermuten. Die Digitalisierung spiele womöglich eine Rolle. Wenn irgendwo in Deutschland eine WhatsApp-Nachricht an einen Schüler oder an eine Schülerin eingehe, fühle der sich doch gemüßigt, innerhalb der nächsten Millisekunden darauf zu antworten, so Hanewinkel.

Und das kann stressen. Zudem gebe es einen Zusammenhang zur Ernährung. Beispiel Frühstück: Fast jeder zweite Fünft- bis Zehntklässler geht mit leerem Magen in den Schule. “Man könnte ja sagen, ‘na ja, ist ja egal'”, so Hanewinkel. “Dann haben sie ein ausreichendes Mittagessen oder sie essen zum viel zum Abendbrot. Nein, Frühstück und Familienmahlzeiten stehen eben klar im Zusammenhang mit Übergewicht”. Und das sorgt wiederum für weniger Bewegung – Sport aber ist für Mediziner das wichtigste Mittel, Stress und Frust abzubauen.

“Gesunde Ernährung gehört auf den Lehrplan”

Über diese Zusammenhänge wissen die Schüler oft nicht genug, kritisiert DAK-Chef Andreas Storm: “Gesundheit und gesunde Ernährung gehören auf den Lehrplan”. Man müsse eine Disskusion darüber führen, nicht ob, sondern wie das gemacht werde.  

Eine Diskussion, die Direktor Asper seit langem auch mit Kollegen führt. Ob als eigenes Fach oder ob Ernährung zum Beispiel im Bio-Unterricht eine größere Rolle spielen sollte, hält er dabei für zweitrangig. Wichtiger ist ihm zu warnen: Es ist ein Irrglaube, dass Schule allein den Stress bei Kindern verhindern könne. “Das Erleben von schulischem Stress muss nicht unbedingt schulische Ursachen haben”, so Asper. “Das Kind, das unausgeschlafen in die Schule kommt, wird sehr viel schneller Stresssymptome zeigen als das ausgeschlafene”.

Und da sieht der Lehrer vor allem die Eltern in der Pflicht. Auch die DAK rät zu einem geregelten Tagesablauf, gemeinsamen Mahlzeiten, weniger Computerspielen und Sport. Tipps, die Mütter und Väter schon oft gehört haben. Und von denen sie wissen: Sie im Alltag umzusetzen mag ihre Kinder entspannen, ist für die Eltern aber gehörig stressig.

Schüler unter Druck: Fast jeder Zweite leidet laut DAK an Stress
Martin Mair, ARD Berlin
14:43:00 Uhr, 01.09.2017

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 01. September 2017 ab 13:14 Uhr im “Mittagsecho”.

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2017, 16:10:58