Generation Merkel – die, die nur „Mutti“ kennen

Gepostet am 14.03.2018 um 11:15 Uhr

Kohl hält den Rekord: Er war mit Abstand am längsten Bundeskanzler – 16 Jahre insgesamt. Genug, um eine „Generation Kohl“ hervorzubringen. Als Kohl 1998 abtrat, gab es viele junge Menschen, die ausschließlich ihn als Kanzler kannten. Doch auch Merkel ist gut dabei: Sie wurde zum vierten Mal wiedergewählt – die 12 Jahre als Kanzlerin hat sie schon vollgemacht. Zeit, um sich unter der „Generation Merkel“ umzuhören: Was bewegt junge Menschen, die bei der letzten Bundestagswahl das erste Mal wählen durften – und die nur Angela Merkel als Kanzlerin kennen?

Fragt man Konrad und Nils nach Angela Merkel, legen die beiden wie auf Kommando grinsend ihre Fingerspitzen zur Merkelraute zusammen. Die beiden angehenden Metallographen sind Berufsschüler im Lette-Verein in Schöneberg und werden dafür ausgebildet, einzuschätzen, welches Material zum Beispiel für Brücken oder Motorräder das richtige ist. Gerade haben Konrad und Nils Sozialkunde. Mit Merkel verbindet der 18-Jährige Konrad vor allem eins: Langeweile. „Aber sie ist halt auch ein Standard, ein Pfeiler quasi, der immer da war“, fügt er hinzu. Nils geht da mit. Und obwohl in seiner Erinnerung immer Angela Merkel Kanzlerin war, kommt sie bei ihm in Sachen Auftreten nicht ganz so gut weg. „Die vorigen Kanzler waren auf jeden Fall charismatischer“, findet er. Konrad nickt bestätigend.

Mehr „politischer Battle“
Mit der großen Koalition ist der Berufsschüler nicht ganz so glücklich, eine Minderheitsregierung hätte er besser gefunden – das hätte frischen Wind in die Bude gebracht: „Da hätten sich die Politiker mehr gebattelt und hätten auch andere Leute von ihren Vorschlägen überzeugen müssen.“ Konrad und Nils war es wichtig, auf jeden Fall wählen zu gehen, um gegen die AfD zu stimmen.

Schaffen wir das – auch ohne ein „Wir“?
Auch Anastacia und Friederike gehen zur Berufsschule – sie machen bald ihr Fachabitur an der WWV Bildungsakademie und haben gerade eine Klausur über die EU geschrieben. Dass die AfD bei der letzten Bundestagswahl so viele Stimmen bekommen hat, macht ihnen Sorge. Anastacia sieht da einen Zusammenhang mit einem berühmten Satz der Kanzlerin. „‘Wir schaffen das‘ als Aussage ist ja bezogen auf das Volk“, erklärt sie. Da denke man: „Hey, jetzt kommt Unterstützung!“ Doch es gebe kein „Wir“. Die AfD sei nur so erfolgreich, weil sie es schafften, an die Unzufriedenheit der Leute zu appellieren – zum Beispiel beim Thema Flüchtlingspolitik. Anastacia fordert von der Politik: „Man sollte lieber die Frage stellen: Schaffen wir das?“

Wissen, was man hat
Friederike möchte nach dem Fachabitur Grundschullehramt studieren. Dass Angela Merkel jetzt in die vierte Amtszeit geht, sieht sie eigentlich gelassen. Bei Angela Merkel gebe es wenigstens keine Überraschungen, sagt sie. „Wenn jetzt jemand Neues kommt, könnte es sein, dass es auf einmal eskaliert…“
Trotzdem brennen den Schülerinnen bestimmte Themen sehr unter den Nägeln. Die schlechte Bezahlung in sozialen Berufen zum Beispiel. Anastacia fällt da aber noch mehr ein: Gehälter, Schulen, Wohnungen. „Vor allem junge Menschen suchen bezahlbare Wohnungen. Ich würde gern nach dem Fachabitur studieren. Aber ich weiß im Moment nicht, wie ich das bezahlen soll.“ Da fehle der politische Nachdruck – Politiker redeten viel und dann komme doch nichts dabei heraus.

Generation Smartphone
In einem sind sich Anastacia, Friederike, Konrad und Nils einig: Generation Merkel wollen sie nicht sein – Konrad hat da eine andere Idee: „Wir sind Generation Smartphone oder sowas“, meint er schmunzelnd. Das Smartphone präge sie deutlich mehr als die Kanzlerschaft von Angela Merkel, sagen die Jugendlichen. Und die vier sind sich noch in einem anderen Punkt einig: Sie sind dankbar dafür, in einer Demokratie leben zu dürfen.

Autorin: Jana Münkel

Zuletzt aktualisiert: 19.12.2018, 10:46:40