Generalbundesanwalt ermittelt in Köln

Gepostet am 13.06.2018 um 11:17 Uhr

Nach dem Fund von möglicherweise giftigen Stoffen in Köln ermittelt der Generalbundesanwalt. Ein Mann ist in Polizeigewahrsam. Vieles ist aber noch unklar. Von Michael Götschenberg und Holger Schmidt.

Nach dem Fund von möglicherweise giftigen Stoffen in Köln ermittelt der Generalbundesanwalt. Ein Mann ist in Polizeigewahrsam. Vieles ist aber noch unklar.

Von Michael Götschenberg und Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperten

Der Beschuldigte heißt nach Informationen von SWR und rbb Sief H. und stammt aus Tunesien. Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der “Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat”. Das klingt dramatisch, ist aber zunächst einmal nur der Name der entsprechenden Strafvorschrift. Denn einen konkreten Verdacht, was der 29-Jährige geplant haben könnte, haben die Ermittler noch nicht.

Auf die Spur gekommen sind sie ihm, weil er bestimmte Chemikalien im Internet bestellt hatte, die der so genannten Grundstoffüberwachung unterliegen. Wer sie bestellt und dafür keinen vernünftigen Grund hat, muss von den Verkäufern routinemäßig Sicherheitsbehörden gemeldet werden. So wurden die Ermittlungsbehörden auf Sief H. aufmerksam. Bis dahin war der Mann für die Sicherheitsbehörden ein Unbekannter.

Besondere Bedeutung des Falls

Der Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen wegen der möglichen besonderen Bedeutung des Falls. Im Laufe des Dienstags überschlugen sich dann die Ereignisse. Spezialeinheiten der Polizei aus Nordrhein-Westfalen nahmen den Mann und seine deutsche Lebensgefährtin spontan fest, weil sie eine konkrete Gefahr befürchteten. Der Verdacht der Polizei: Der Mann könnte Biokampfstoffe herstellen wollen.

Die Wohnung in Köln wurde deshalb auf der Grundlage von Polizeirecht durchsucht, einen Haftbefehl oder einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss gab es offenbar nicht. Bei der Durchsuchung fanden die Einsatzkräfte Substanzen, die gefährlich sein könnten.

Deshalb wurden weitere Spezialkräfte der Feuerwehr mit besonderer Schutzausrüstung hinzugezogen und sogar Experten des Robert-Koch-Instituts aus Berlin per Hubschrauber eingeflogen. Das Institut ist als Bundesinstitut unter anderem für die Bewertung biomedizinischer Gefahren zuständig.

Unklar, ob Substanzen gefährlich sind

Zur Stunde laufen die Untersuchungen. Es ist weder klar, was die Ermittler genau gefunden haben, noch, ob die Substanzen gefährlich sind und wozu sie gedacht gewesen sein könnten. Die Ermittler sind allerdings besorgt, weil es schon seit Anfang der 2000er-Jahre Überlegungen und Anleitungen islamistischer Terroristen gibt, Biokampfstoffe herzustellen. Doch das sei nur eine Hypothese, hieß es aus Ermittlungskreisen. Mit einem ganz ähnlichen Vorgang könnte man auch ein Abführmittel herstellen.

Der Fall klingt also derzeit durchaus ernst, ob er das allerdings tatsächlich ist, muss sich noch zeigen. Der 29-Jährige Tunesier ist derzeit in Polizeigewahrsam. Ob er auch festgenommen wird, steht nach Informationen zur Stunde noch nicht fest.

Zuletzt aktualisiert: 10.12.2018, 02:53:09