Auf der Suche nach Vernunft

Gepostet am 02.02.2017 um 12:11 Uhr

Außenminister Gabriel wird sich auf seiner USA-Reise unter anderem mit seinem Amtskollegen Tillerson treffen. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher kaum sein. Trotzdem hofft Gabriel, dass der US-Außenminister mäßigend auf Präsident Trump einwirken kann. Von M. Mair.

Außenminister Gabriel wird sich auf seiner USA-Reise unter anderem mit seinem Amtskollegen Tillerson treffen. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher kaum sein. Trotzdem hofft Gabriel, dass der US-Außenminister mäßigend auf Präsident Trump einwirken kann.

Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Eine Gemeinsamkeit gibt es dann doch zwischen den beiden Politikern: Beide sind erst seit kurzem im Amt, US-Außenminister Rex Tillerson gar erst seit wenigen Stunden. Ansonsten trennen Sigmar Gabriel und Tillerson aber Welten. Immerhin: Beide hatten in ihrem früheren Leben viel mit Energie zu tun.

Abermillionen Leben könne man retten, wenn man fossile Energieträger – sprich Kohle und Öl – vielen Teilen der Welt zugänglich mache, sagte Tillerson einmal. Gabriel dagegen trieb als Wirtschaftsminister den Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung voran. Immerhin: Ein Gesprächsthema für den Smalltalk dürften die beiden frisch gebackenen Außenminister also schon mal haben.

Auf dem politischen Parkett hat Gabriel sehr viel mehr Erfahrung als sein US-Amtskollege. Das merkt man auch daran, dass sich der SPD-Mann – noch nicht einmal eine Woche im Amt – schnell ins Diplomatendeutsch eingelebt hat: Ein Besuch in den USA sei ihm sehr wichtig, sagte Gabriel.

Gabriel trifft US-Vizepräsidenten

Noch vor wenigen Wochen klang das schärfer – zumindest in Bezug auf US-Präsident Donald Trump. Auf dessen Aussagen, wie zum Beispiel jener, dass die NATO obsolet sei, reagierte Gabriel im Januar alarmiert: “Der meint es bitter ernst. Ich glaube, wir müssen uns warm anziehen.”

Zu einem Besuch bei Trump kommt es bei Gabriels erster USA-Reise als Außenminister aber nicht. Dafür steht ein Treffen mit dem US-Vize-Präsidenten Mike Pence auf dem Programm. Von ihm dürfte sich der deutsche Außenminister ebenso wie von seinem Amtskollegen erhoffen, dass er mäßigend auf Trump einwirkt. Denn die Bundesregierung ist einigermaßen besorgt über den Start der Trump-Administration: Einreiseverbote für Flüchtlinge und Bürger mehrerer muslimischer Länder und die Ankündigung, sich im Handel abzuschotten, sorgen für Unruhe.

Auf der Suche nach Verbündeten

Diplomatisch verpackt klingt das bei Gabriel so: “Unsere Hand sollte ausgestreckt bleiben für eine respektvolle Zusammenarbeit, die auf dem fußt, was transatlantische Beziehungen in den letzten Jahrzehnten geprägt hat: Offenheit, Ehrlichkeit, Freiheit, Demokratie, Rechtstaatlichkeit. Und übrigens auch immer: gegenseitige Verantwortung.”

Es ist kein Zufall, dass Gabriel bei seiner Reise auch die Vereinten Nationen besucht – auf der Suche nach Verbündeten. Ob er in seinem US-Amtskollegen einen findet, das muss sich noch zeigen.

Drängende Themen – Gabriel reist zu Antrittsbesuch in die USA
M. Mair, ARD Berlin
09:32:00 Uhr, 02.02.2017

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Februar 2017 um 06:12 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 16:09:00