Energiewende – eine Chance für Griechenland?

Gepostet am 01.07.2016 um 11:32 Uhr

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel rührt auf seinem Griechenland-Besuch die Werbetrommel für die Energiewende. Im Schlepptau hat er deutsche Vertreter der Energiewirtschaft. Gabriel glaubt, dass sein Mammut-Projekt dem gebeutelten Land auf die Beine helfen kann. Von Martin Mair.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel rührt auf seinem Griechenland-Besuch die Werbetrommel für die Energiewende. Im Schlepptau hat er deutsche Vertreter der Energiewirtschaft. Gabriel glaubt, dass sein Mammut-Projekt dem gebeutelten Land auf die Beine helfen kann.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Athen

Makarious döst am Fuße der Akropolis im Schatten einer Kiefer. Touristen schleppen sich in der brüllenden Hitze an ihm vorbei, sein Wasser kaufen will aber niemand. Der 26-Jährige studierte Informatiker macht seinem Namen keine Ehre: Makarious – zu Deutsch der Glückliche – ist deprimiert, seit zwei Jahren sucht er einen Job.

Es ist hoffnungslos, erzählt er. „So viele Firmen sind pleite gegangen, niemand stellt Leute ein. Und aus dem Ausland kommt niemand nach Griechenland. Wer hier investiert, muss ja auch verrückt sein.“

Gute Voraussetzungen für Windkraft in Griechenland

Wenn Makarious recht hat, dann ist Hans-Dieter Kettwig ziemlich verrückt. Im Schlepptau des Wirtschaftsministers ist der Enercon-Chef nach Athen gekommen. Er investiert hier seit Jahren in Windräder.

„Die Windgeschwindigkeiten in Griechenland sind sehr gut“, so Kettwig. „Wenn man hier eine Finanzierung aufbaut und eine ähnlich hohe Einspeisevergütung wie in Deutschland herausbekommt, dann ist das für uns eine sehr komfortable Ausgangsposition.“

Mit friesischer Gelassenheit will Kettwig weitere Anlagen bauen – Dutzende Inseln mit grünem Strom versorgen, die nicht ans Netz angeschlossen sind. Projekte wie diese brauche Griechenland, sagt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Gerade erneuerbare Energien hätten in dem Land ein gewaltiges Potenzial.

Viele deutsche Unternehmen wollen investieren

„Das ist ein Feld, in dem in Deutschland in den letzten 20 Jahren viele Erfahrungen gemacht wurden und es viele deutsche Unternehmen gibt, die ein Interesse an Investitionen hier in Griechenland haben“, so Gabriel.

Die Energiewende als Exportschlager – das versucht der deutsche Wirtschaftsminister bei seiner Reise zu vermitteln. Heute will er mit seinem griechischen Amtskollegen eine engere Zusammenarbeit vereinbaren. Denn die Konjunktur in Griechenland springt bislang nicht recht an. Ausländische Investoren scheuten sich, Geld in die Hand zu nehmen, so der Wirtschaftsminister. Die Rahmenbedingungen müssten besser werden.

Noch viele Unsicherheitsfaktoren

„Wir sind an einem stabilen Rahmen interessiert. Denn das ist das, was die meisten immer noch skeptisch auf Griechenland und auf manch andere Teile Europas schauen lässt“, sagt Gabriel. Problem seien Unklarheiten bezüglich der endgültigen Ausgestaltung des Steuersystems. Aber auch beim Abgabesystem, der Organisation des Arbeitsmarktes und des bürokratischen Aspekts gebe es offene Fragen.

Probleme, die Windanlagen-Bauer Kettwig nur allzu gut kennt. Trotzdem: Seit fast 20 Jahren ist er mit Griechen im Geschäft und sagt, sie seien gute Partner. „Wir haben festgestellt, dass die Griechen eigentlich enorm treu sind und sie wollen auch vieles wissen – aber sie haben ihren Stolz“, sagt Kettwig. Die Deutschen stellten sich manchmal die Frage, ob das Stolz sei oder zu viel Selbstbewusstsein.

Mehr Selbstbewusstsein wünscht der Unternehmer den jungen Griechen. Jeder zweite hat keinen Job. So wie Makarious, der Informatiker. Auch heute wird er versuchen, Wasser an Touristen auf der Akropolis zu verkaufen. Die Miete, sagt der 26-Jährige, muss ja irgendwo herkommen. Er träumt davon, Athen zu verlassen. „Vielleicht“, sagt er schmunzelnd, „fliege ich mit eurem Wirtschaftsminister nach Deutschland.“ Er muss sich beeilen – Gabriel ist nur noch ein paar Stunden in einem Land, dem noch lange eine schwere Zukunft bevorsteht.

Exportschlager Energiewende? Gabriel rührt Werbetrommel in Athen
M. Mair, ARD Berlin, zzt. Athen
09:34:00 Uhr, 01.07.2016

Zuletzt aktualisiert: 22.08.2019, 18:25:05